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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 1 · p. Seite 14

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 1
Article
Graetzens Geschichtsschreibung
Date
1918-01-01
Page
Seite 14 (sequence 10)
Language
German
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14 Gra etzens G eschichtssehrei bun g. jüdischen Weit das Interesse für die eigene Vergangenheit wachzurufen oder zu verstärken. Das war eine nationale Tat, die der jüdischen Historie selbst bei geringen Schädigungen im Einzelnen von unermeßlichem Vorteil im Großen gewesen ist. So ist im Gebiete der Geschichtsschreibung Graetz wirklich groß gewesen. Nur hier, und ungleich weniger im Bereich der Bibelforschung, hat er sich Verdienste von dauerndem Werte erworben. Mochten dann auch die vielen Zunftgelehrten über den Mängeln im Einzelnen die Gesamtleistungen im Großen übersehen, das Volk wußte ihm schon Zeit seines Lebens Dank zu zollen (die Kundgebungen anläßlich des jo. Geburtstages, die Londoner Einladung kurz nach dern gehässigen Ausschlüsse aus der historischen Kommission des Gemeindebundes usw.), und dem Volke folgten schließlich doch auch die Gelehrten. Kaum hat je ein Werk der Wissenschaft des Judentums einen derart durchschlagenden Erfolg gehabt, wie die Graetzsche Geschichte. Im Original teilweise vier bis fünf Mal verlegt, in nicht weniger als sechs fremde Sprachen (hebräisch, englisch, französisch, russisch, ungarisch und jüdischdeutsch) übersetzt, ist dieses umfangreiche Werk zu einem wirklichen Volksbuche, zur geistigen Nahrung von Generationen geworden, ohne zugleich seine hervorragende wissenschaftliche Stellung zu verlieren. Wenn man auch seinen Leistungen keine Vollkommenheitzusprechen kann, wenn wir auch nicht für die zahlreichen Mängel des Meisters das Auge verschließen und uns Idar bewußt sind der Größe der unser noch harrenden Arbeit auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte, so lassen sich doch die folgenden geistreichen Worte, die über Ranke gesprochen wurden1), wieder einmal beinahe haargenau auf Graetz übertragen: »Freilich ist die Aufgabe für uns eine andere geworden, als für den Begründer unserer Wissenschaft. Er konnte in stürmischer Bewegung die großen Linien ziehen, die Fundamente legen des Bildersaales der Zeiten. Er hat dann auch die Mauern, Pfeiler, Hallen errichtet und eine Fülle des Schmuckes hinzugetan; an allen Wänden *) Max Lenz, Kleine historische Schriften S. 12.

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