Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Graetzens Geschichtsschreibung
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 5 (sequence 1)
- Language
- German
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Graetzens Geschichtsschreibang. Eine methodologische Untersuchung. Von S. Baron. Will man die Bedeutung Graetzens als Historiker richtig beurteilen, so muß man auf seine Zeit und seine Umwelt zurückgreifen, um den richtigen Maßstab zu finden. Man darf nicht an ihn mit den Forderungen der Gegenwart herantreten, und man wird ihm, wie all seinen Zeitgenossen, vieles nachsehen müssen, was.bei einem heutigen Historiker schon als Voraussetzung gelten muß. Es genügt nur zu bedenken, in welchem Zustande sich die jüdische Historiographie vor hundert Jahren, also im Geburtsjahre Graetzens befand, um die beispiellosen Fortschritte, die seither gemacht wurden, wie den Löwenanteil Graetzens an ihnen so recht würdigen zu können. Von jüdischer Seite waren im Bereich der Geschichtsschreibung in den letzten Jahrhunderten kaum mehr als Tastversuche durch Jehuda Ihn Verga, Abraham Zacuto, David Gans und selbst durch Asarja de Rossi gemacht worden. Umfassender, doch ohne tieferes Eindringen, umfangreicher, doch zugleich einseitig tendenziös, war das fünfbändige Geschichtswerk des christlichen Theologen Basnage am Anfänge des 18. Jahrhunderts, um von dem viel weniger bedeutenden Versuche von Hanna Adams ein Jahrhundert später ganz abzusehen. Erst zu Lebzeiten Graetzens begann der große Aufschwung. 1820—29 erschien das große Werk M. J. Josts, dessen Verdienste trotz aller Mängel in der Erforschung und Darstellung unvergeßlich bleiben werden. Gleichzeitig wurde neben dieser Zusammenfassung das Gebiet der Spezialforschung betreten, und Männer vom Range eines Zunz und Geiger im Westen, eines Krochmal und Rapoport im Osten, wie eines Luzzatto im Süden, leisteten