Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Hermann Cohen. sittlichen Ideal notwendig aufeinander bezogen werden, vollendet sich die Cohensche Ethik in der Gottesidee des ethischen Monotheismus, durch welche allein der Sieg und die Verwirklichung des Sittlichen auf Erden in der Geschichte des Menschengeschlechts gewährleistet ist. Wie Cohen in der Strenge seines sittlichen Bewußtseins gegen jede Naturalisierung des Sittlichen protestierte, lehnte er alle paniheistische Verbindung von Gott und Natur ab und betonte er auch in der Religionsphilosophie den Wahrheitswert der jüdischen Gottesidee, des der Natur transzendenten heiligen Gottes, ln einer seltenen Glut der religiösen Innigkeit erlebte und lehrte er die Größe und Kuhurbedeutung des jüdischen Glaubens an den einzigen Gott. So vereinigte Cohen in originaler Tiefe den wissenschaftlichen und ethischen Kulturgehalt des deutschen Idealismus, wie er in Kant, Schiller und Beethoven Bewußtsein und Gestalt gewonnen hatte, mit der Wucht und Glut seiner jüdisch-religiösen Liebe zu Gott Sind auch durch Cohen die Rätselfragen einer philosophischen Lebensanschauung nicht endgültig gelöst worden, sind Naturalismus und Hi$torisnjus, Biologie und Psychologie zu aprioristisch von ihm erledigt, die natürlichen und geschichtlichen Grundlagen des Kulturlebens zu wenig berücksichtigt worden, so gehört er doch zu den Denkern, die als Lehrer im Ideal ihrer Zeit vorangeschritten sind. Wie das Pathos des rationalistischen Idealismus in ihm Fleisch und Blut geworden war, folgt er dem Zuge der idealistischen Denker, die er durch seine philosophie-geschichtlichen Forschungen einem neuen Verständnis erschlossen hat, und deren Methodik er den Problemen der Gegenwart gegenüber zur Geltung zu bringen bemüht war: Platon, Descartes, Leibnitz und Kant. Idee und Wirklichkeit zur Identität zu erheben, war das Leitmotiv seiner Philosophie und seines Lebens. Und so gab er auch seinem Deutschtum und Judentum in seiner'Persönlichkeit ihre menschheilliche Einheit.