Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Hermann Cohen. den Mann, der mit leidenschaftlicher Hingabe an deutsche Kultur ein unerschütterliches, auf Erkenntnis ruhendes jüdisches Bewußtsein verband und für diese von ihm erlebte Einheit von Deutschtum und Judentum einen mutigen, schmerzensreichen Kampf kämpfte. Wie aber bei dieser auf Erkenntnis gerichteten Natur seine Erlebnisse durch die Arbeit der Wissenschaft ihre Klärung und Befestigung fanden, entwickelte er in philosophischer Besinnung den Gehalt des Deutschtums und Judentums zu philosophischen Erkenntnissen, durch welche er den Weltanschauungsdenkern unserer Zeit angehört. Es war die Zeit einer schweren Krisis im Kulturleben des deutschen Volkes, als seit dem Zusammenbruch der philosophischen Spekulation in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Bunde mit dem wirtschaftlichen und politischen Aufschwung des deutschen Volkes eine Zersetzung des Idealismus eintrat, die das höhere Kulturleben den materialistischen Interessen auszuliefern schien und die naturwissenschaftliche Denkweise den sittlichen und religiösen Idealismus zu entwurzeln, Positivismus und Historismus alle autonome Stellung zu Leben und Welt zu untergraben drohten. In dieser Bedrängnis erhoben wenige Führer in Einsicht der Gefahr, die der Philosophie und der Lebensanschauung des deutschen Volkes drohten, den Ruf: Es muß auf Kant zurückgegangen werden! Denn Kant war es, der in seiner Zeit bei der Auflösung der metaphysischen Philosophie sie auf wissenschaftlichem Grunde neu begründete und gerade das Problem der Zeit gelöst zu haben schien, sittlich-religiösen Idealismus mit der mathematischen Naturwissenschaft in Einklang zu bringen. Zu Heimholtz, Otto Liebmann, F. A. Lange gesellte sich in diesem Ruf zu dieser Arbeit Hermann Cohen. Denn unmöglich war eine bloße Wiederaufnahme der Kantischen Philosophie, dazu war die Kulturlage doch zu verändert, ja strittig selbst der Sinn der Kantischen Philosophie. Aus den mannigfachen Motiven und wissenschaftlichen Antrieben der Kantischen Philosophie ihren Leitgedanken in seiner wissenschaftlichen Bedeutung zu entwickeln und zu begründen,