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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 1 · p. Seite 78

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1917-01-01
Page
Seite 78 (sequence 7)
Language
German
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78 Besprechungen. Gottesbegriff ist kein mythischer, sondern ein rein religiöser, d. h. ein philosophisch-ethischer. So erzählt der Midrasch, daß der erste Verkünder des Eingottes, Abraham, ihn auf dem Wege der philosophischen Abstraktion gefunden habe, und die dreizehn Attribute desselben sind nach der Bibel rein ethische. Wenn wir auch nicht allen Ausführungen des Verfassers beistimmen, soll doch anerkannt werden, daß er in apologetischer Beziehung Bedeutendes geleistet hat. Der Mythos und die Mystik sind wohl schöne Bestandteile des jüdischen Ideengehaltes, die den Geist des Judentums mit kräftigen Impulsen und unendlich viel fruchtbaren Keimen bereicherte, nur gehen wir nicht so weit wie der Verf., daß wir diese Gebiete als seinen eigentlichen Ideengehalt betrachten. Treffend hebt der Verf. das Mysterium der Mysterien hervor, daß man die verbannte Schechina durch ein dem Absoluten geweihtes Leben erlöse. Um wieviel höher steht dieses Motiv, als jenes griechische in der Demeter- und Dionysos-Legende, deren Ursprung in dem orphischen und eleusinischen Mysterium zu suchen ist, daß nämlich der leidende und sterbende Held wieder auflebe und zum Gotte erhoben wird. Dieses Motiv hat seine höchste Ausbildung auch in der Christuslegende gefunden. Die jüdische Volksseele verträgt den Anthropomorphismus der Legende nicht, daß ein Gott leide und sterbe, damit konnte die jüdische Volkspsyche sich nicht befreunden. Aber sie wendet dieses Motiv auf die Schechina an, die, nur ein Attribut und eine Emanation der Gottheit ist, hatte damit einen ungeheuren religiös-ethischen Zweck erzielt, den Impuls, zur Erhebung des Chassidismus gegeben, der belebend und erfrischend auf die Religion wirkte. Dieses Mysterium brachte auch die Gottheit dem Menschen näher. Zum Schlüsse sei erwähnt, daß* der Verf. meisterhafte Skizzen von den kabbalistischen Systemen Lurjas und Israel Bal-Schems liefert, eine Biographie des berühmten Chassidim-Rabbiner Nachman aus Bratzlav, den er gleich einem heiligen Franziskus von Assisi als einen begeisterten Verehrer der Natur darstellt. Endlich einige Aphorismen aus der chassidäischen Mystik, die wir als ebenbürttg den Ansprüchen eines Meister Eckhard und Böhme an die Seite stellen dürfen, Eger (Erlau) Alois Schweiger.

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