Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Lazarus Bendavid. 33 durch ein unglaublich seichtes Raisonnement, an dem auch der zum Philosophen gereifte Mann anscheinend nichts zu korrigieren fand, zum Bruch mit den Traditionen des alten Judentums ge* kommen. Sein religiöses Bekenntnis deckte sich seitdem mit den rationalistischen Anschauungen der Aufklärungstheologie, die in christlichen Kreisen weit verbreitet waren und von da aus auch in den Mendelssohnschen Jüngerkreis Eingang gefunden hatten. Noch einmal machte er, von einem Gefühl jüdischer Pietät getrieben, den Versuch, der Synagoge wieder näher zu treten. Nach dem Tode seines Vaters, der in Nancy in großer Armut gestorben war, besuchte er die Synagoge, um, wie üblich, während des Trauerjahres nicht nur das Kaddischgebet zu verrichten, sondern auch die Funktion des Vorbeters auszuüben. »Zwei Tage, so erzählt er, ließ man mich mein Wesen treiben: am dritten aber, vor dem Anfang des Gebetes, kam eine Deputation von drei Männern an mich heran und erklärte mir, daß ich, der ich öffentlich vier Zeremonialgesetze, die sie mir vorrechneten, übertreten hätte, ihr Vorbeter, der über sie den Segen aussprechen muß, nicht sein könnte; ich sollte mich auf das Seelenamt (das Kaddisch) allein beschränken. Ich fragte sie, ob sie mich denn für keinen ihrer Glaubensgenossen erkennen und als aus der Gemeinde ausgeschlossen betrachten wollten. Da sei Gott für! war ihre Antwort. Aber . . . Nun gut erwiderte ich, ich merke, was das aber sagen will; Sie sagen mir die Gesellschaft auf1). Mir schon recht, denn hiermit sage ich Ihnen auch auf. Mit diesen Worten packte ich meine Bet-Amuletten zusammen und ging aus der Synagoge. Nie bin ich seitdem wieder hineingegangen2).« Wer bei diesem Streite mehr im Rechte war, die Vertreter der Gemeinde, die die Würde des Vorbeteramtes zu wahren hatten und es dabei doch an einer gewissen Schonung nicht fehlen 0 Das ist vielleicht eine Anspielung auf die früher geübte Sitte, dem Toten vor der Bestattung die Gemeinschaft (חברותא) mit dem Überlebemden aufzusagen. 2) Selbstbiographie S. 53 — 54. Monatsschrift, 61. Jahrgang. 3