Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion. 27 der Bibel, einfach dadurch, daß neben und über diesen realen himmlischen Wesen die überragende Hoheit der Einzigkeit Gottes gepriesen und anerkannt wird. In diesem Sinne läßt die Bibel auch die Schutzgeister anderer Völker gelten und spricht von ihnen als von Elohim. Allein Ps. 96, 5 widerspricht entschieden dieser Auffassung. Denn dort wird Gott als schöpferisch wirkende Macht in dem denkbar schärfsten Gegensatz zu den Eloheha- Ammim gefeiert. Ob man myi Elilim, von sum. Enlil sem. בעל ableitend, etwa mit »Götzen«, oder nach der alten Ableitung Raschis mit »Nichtigkeiten« übersetzt, das ist für den biblischen Gedanken, der in jenem Psalm zu einem förmlichen Hohelied des Monotheismus sich erhebt, ganz irrelevant. Was fängt Jampel weiter mit Lev. 19,4 an? Glaubt er, daß die Bibel, die so kategorisch verbietet, sich den Elilim zuzuwenden, ihnen Realität zuerkannt habe? Was Wunder, daß er bei dem Verbote לא יהיה לך אלד״ים אחרים im Dekalog erst recht in’s Gedränge kommt, aus dem ihm auch der kabbalistisch angehauchte Nachmanides mit seiner Erklärung nicht retten kann. Da sagt uns doch Raschi in seiner naiven Einfachheit, dem hier auch Ibn Esra folgt, mit seiner philologisch vielleicht weniger exakten Erklärung, daß die anderen Völker jene Götter wirklich für eine Gottheit hielten, immer noch besser zu. Denn sie trifft richtig den religionsgeschichtlichen Kern der Sache. Jampel hat sich aber nun einmal in seine These, daß alles in der Bibel und Tradition ursemitisches Erbgut sein müße, so verliebt, daß er mit ihr allein alles und jedes im Bereiche der ein Jahrtausend der Entwicklung umspannenden Gedankenweit der Bibel erklären zu können glaubt. Jampels These ist bei allen Tiefblicken, die sie hier und dort, namentlich für die Patriarchenzeit gewährt, keineswegs so einwandfrei, daß auf ihrer Grundlage jetzt sogar schon eine präg* matische biblische Geschichte für den Religionsunterricht, wie er meint, aufgebaut werden könnte. Noch weit sind wir von dem Ziele entfernt, eine allen berechtigten Anforderungen entsprechende