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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 1 · p. Seite 7

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 1
Article
Aus meinen Erlebnissen bei den Juden in Russisch-Polen
Date
1916-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Aus meinen Erlebnissen bei den Juden in Russisch-Polen. 7 des Lehrers biblische Geschichte in biblischem Hebräisch in wärtlieber Zitierung der biblischen Schriftwerke erzählen hörte. Aber religiöse Fächer sind nicht etwa die einzigen Lehrfächer. Schreiben, Lesen, Rechnen, Geographie, ja auch Handfertigkeit wird unterrichtet. Die deutsche Sprache zu unterrichten war in den letzten Jahren von der russischen Regierung verboten. Dafür waren alle Schulen gezwungen, täglich eine Stunde russisch geben zu lassen. Es hätte wohl nicht lange gedauert, so wäre die Zeit gekommen, in der wir Deutsche uns in den besetzten Gebieten nicht mehr in deutscher Sprache nach diesem oder jenem hätten erkundigen können. Die Lehrziele des Unterrichtes entsprechen etwa denen unserer deutschen Volks- oder Mittelschulen. Wer weitere Studien betreiben will, muß in die staatlichen höheren Lehranstalten einzutreten versuchen, was ja, wie gesagt, den Juden infolge der beschränkten Prozentnorm nicht leicht wird. Die Unterweisung der Mädchen aus dem einfacheil Volke liegt sehr im argen, aber die notdürftigste Unterweisung wird auch ihnen dennoch zu Teil. Später wachsen sie heran ohne Wissen und ohne Beruf, ein Mißstand, der zu bedauerlichen Folgeerscheinungen führt. Die Mädchen aus wohlhabenden Häusern dagegen besuchen Mädchengymnasien oder Konservatorien, suchen und finden aber auch zumeist keine berufliehe Betätigung. Schuld auch daran ist die russische Regierung, die alle Wege versperrt und das Elend der unterworfenen Bevölkerung wünscht. Nach dem Einrücken der Deutschen haben jüdische Frauen und Mädchen in den Lazaretten als Pflegerinnen und in den Wohlfahrtseinrichtungen als Helferinnen sich glänzend bewährt. Die letzte Stufe des Unterrichts bildet der Talmud. Vom 12fen Lebensjahre an etwa beginnen die Kinder der jüdischen Schule damit und bilden sich in diesem Gebiete fort bis ans' Lebensende. Die Kinder, die in die höheren staatlichen Schulen zu kommen Gelegenheit haben, schlagen freilich einen anderen Lebensweg ein. Kleidung, Sprache, Sitten und religiöse Überzeugung ändern sich, und der Unterschied zwischen dem er" wachsenen Intellektuellen und dem Bachur oder Kaftanjuden ist

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