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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 1 · p. 34

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 1
Article
[Ohne Titel] / Brann, Marcus
Date
1915-01-01
Page
34 (sequence 1)
Language
German
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Kurze Mitteilungen und Besprechungen. In Heft II des Jahrgangs 1914 der ״Jewreskaja starina“ sind einige Briefe des jüngeren Lebensohn, Michael L., geboren 1. Februar 1828 in Wilna, der bereits in jungen Jahren den Ruf eines begabten Dichters und tüchtigen hebräischen Stilisten besessen hat, an Senior Sachs, der damals in Berlin lebte, abgedruckt (S. 263—272). Sie gestatten einen interessanten Einblick in die intimeren literarischen Verhältnisse des Wilnaer Maskilim-Kreäses und in die Zu- und Abneigungen zwischen Finn, Böhmer, Kaplan, Schulmann, Lewkowitz und Lebensohn, dem Älteren. Wir finden darin alle Züge, die für Senior Sachs charakteristisch sind, obgleich dieser nicht mit einem Wort sich äußert. Wir sehen, wie der junge russische Nachwuchs die Gründlichkeit und Gediegenheit seines Wissens und seine Fähigkeit zu streng wissenschaftlicher Arbeit bewunderte, und wie schwer es war, ihn zu geordneter Tätigkeit, ja auch nur zur Beantwortung eines Briefes, heranzuziehen. Noch wertvoller ist der Blick in das Seelenleben und die Geistesrichtung des jungen Dichters, der in diesen Briefen, beiläufig, gelegentlich von der hebräischen zur deutschen Sprache übergeht und diese keineswegs so wie die hebräische meistert. Im 2. Briefe (S. 269) äußert er sich über seine Stellung zur Religion auf deutsch, wie folgt: »Ich habe keine Religion! Mein Bruder die Menschheit! Die Welt mein Vaterland! Meine Religion die Tugend! Ja, Gott weiß, ob ich fähig bin, meinen Freunden und der Tugend Opfer zu bringen. Aber Opfer der Religion bringen ist dumm, niedrig und sinnlos und hat nur immer bei rohen, wilden, erbarmungslosen Menschen stattgefunden.« Ist das nicht derselbe religiöse Nihilismus, den wir noch heute häufig an der russischen Jugend, die zu uns kommt, wahrnehmen? Ja, in seinem Sturm und Drang vergißt sich unser junger Briefschreiber so weit, die harmlosen Wendungen 1ת״ל) und 2למע״ה), die ihm entfahren sind, in der Urschrift zu streichen. Nichtsdestoweniger hat man תהלה לאל ת״ל ף, & h. Gott Lob. 2) למען השם לטע״ה, d. h. um Gottes willen.

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