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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 1 · p. 11

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 1
Article
Der jetzige Weltkrieg und die Bibel
Date
1915-01-01
Page
11 (sequence 11)
Language
German
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Der jetzige Weltkrieg und die Bibel. 11 Si vis pacem, para bellum. Willst Du Frieden, so rüste zum Krieg. Seltsamerweise ist der Spruch auf der Rückseite angebracht, als ob er sich verstecken müßte. Das hat er aber gar nicht nötig, denn er spricht eine große militärische und sittliche Wahrheit aus. Ich spreche natürlich hier nicht von der militärischen, obwohl auch der Laie begreift, daß wir nur infolge ihrer Beherzigung in der Lage sind, den Krieg in jeder Richtung auszuhalten und uns nicht den Frieden diktieren lassen zu müssen. Ich rede aber hauptsächlich von der sittlichen Lehre jenes Spruches, die uns einschärft, daß wir, wenn wir in Frieden leben wollen, gegen alle Front machen und Krieg führen müssen, deren Geschäft, Beruf und Lebenselement die Stiftung von Unheil und Unfrieden ist. Rußland kommt der Spruch Goethes zu Gute: »Über das Niederträchtige Niemand sich beklage, Denn es ist das Mächtige, Was man dir auch sage.« Das ist das Geheimnis der russischen Machtfülle. Diese Macht des nordischen Pharao, der den ägyptischen noch überbietet, hat man ruhig mit seinen Pogromen, Blutbeschuldigungen und ähnlichen Schändlichkeiten gewähren lassen, ohne daß Europa dagegen Einspruch erhoben hätte. Aber was kommen mußte, das ist doch gekommen. Der Kirchenvater Augustinus hat gesagt: Trahimur. »Wir meinen, daß wir ziehen — nein wir werden gezogen.« Die Geschichte ist ein GeschickT Wo die Entwicklung der ungehemmten Niedertracht enden mußte, das haben wir schaudernd erlebt: bei der Verbindung und der Verbrüderung mit Königsmördern! So kann man von der Infamie wie von der Fama sagen: viresque acquirit eundo, sie wächst mit jedem Schritt, den man sie gewähren läßt. Der geringste Anstoß genügt, daß eine Lawine sich bilde, die mit verheerender Gewalt ins Tal niedersaust und Gut und Leben vernichtet, ohne danach zu fragen, wessen Gut und wessen Leben ihr zum Opfer fällt. Mit der russischen Lawine würde es nicht anders sein. Es ist unseren

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