Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Psalm XX in der synagogalen Liturgie [Nachricht]
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
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114 Notiz. der Liturgie zu streichen. Soli aber Amulo den ganzen Bericht aus der Luft gegriffen haben? Es würde uns gar nicht überraschen, wenn auch diese Anklage einen Faden jenes Lügengewebes bildete, welches hohe Würdenträger der Kirche gegen die Juden gesponnen haben. Jedoch so auffallend diese Anklage auch sein mag, so muß sie doch auf Wahrheit beruht haben. Denn in den Gebetordnungen des R. Atnram Gaon, Raschls und im Machsor Vitry fehlt dieser Psalm und selbst RMBM (H. Tephilla VII. 17. IX. 5, 6.J hat ihn noch nicht verzeichnet. Letzteres konnte schon im 14. Jahrhundert Jakob b. Ascher nicht ohne Bemerkung lassen und hob ausdrücküch hervor וכ״כ הרטבים ז״ל ולא הזכיר למנצח מזמור לדוד ומהנין לומד עתר. (Tur Or. Chajj. 131.) Daß aber die liturgische Verwendung dieses Psalms schon im 13. Jahrhundert eingeführt war, beweist der SiddurTroyes (ed.Weisz, in der Bloch-Festschrift, Budapest 1905, S. 103.), wo er bereits verzeichnet ist. Demnach haben wir sichere Anhaltspunkte dafür, daß vom 9. Jahrhundert bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts dieser Psalm in der Liturgie nicht vorgekommen ist. Im 13. Jahrhundert, als bereits längst der Grund in Vegessenheit geraten war, weshalb der Psalm keinen Platz in der Liturgie gefunden hatte, mag der Bericht des Midrasch Tehillim über den Spruch des palästinensischen Amoräers Simon b. Abba (s. Bacher, PA, II. p. 203) את מוצא י״ח מזמורים יש מראש הספר ועד הפסוק הזה שאשרי האיש ולמה רגשו חד הוא כנגד י״ח ברכות שאדם מתפלל בכל מם אומר תתעני צלותך* אחר י״ח מזמורות die Veranlassung gegeben haben, den Psalm in die Liturgie wieder einzuführen. Der Spruch Simon b. Abbas war sicherlich kein bloßes Zahlenspiel, sondern eine geschickte Erklärung des allgemein bestehenden Gebrauches, daß der Psalm nach dem Achtzehngebet gesagt wurde. Wann und aus welchem Grunde er aus der Liturgie auf einige Jahrhunderte verbannt wurde, wissen wir nicht, aber Bischof Amulo hat wahrscheinlich verläßliche Tatsachen gekannt, daß hierfür apologetische Rücksichten bestimmend waren. Budapest. L. Venetianer.