Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
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Das Königlich Wcstphäüsche Konsistorium der Israeliten. 91 hervorgehen mußte.« (Zeitschrift des - Harzvereäns 1890, S. 207.) Bettina von Arnim aber erhielt am 3. April 1808 von Goethe einen Brief, in dem es heißt: »Dem braunschweigischen Judenheiland ziemt es wohl, sein Volk an- Zusehen, wie es sein und werden sollte; dem Fürsten Primas ist aber auch nicht zu verdenken, daß er dies Geschlecht behandelt, wie es ist, und wie es noch eine Weile bleiben wird.« Am 20. April schrieb Goethe an Bettina: »Es war mir sehr angenehm zu sehen, daß man den finanzgeheimrätlichen jacobinischen Israelssohn so tüchtig nach Hause geleuchtet hat.« In der Beurteilung Dalbergs hat sich übrigens der »Israelssohn«1) (ein echt Goethesches Wortspiel) als der schärfere Menschenkenner erwiesen. 1811 wurden auch die Frankfurter Juden der Gleichberechtigung teilhaftig. Auch den versteckten Vorwurf der Parteilichkeit, den man aus jenem Schreiben vom 3. April an Bettina heraushört, verdiente Jacobsohn keineswegs, der vielmehr durch nichts in seiner Eigenart treffender gekennzeichnet werden kann, als durch seine seinerzeitige Bitte an den Herzog von Braunschweig, er möge den Juden das Recht nehmen, ein Prozent mehr fordern zu dürfen als die Christen. Denn ein solches Recht müsse leicht zu Wucher führen*). »Es ist gut, wenn die Juden sich nach den bestehenden Landesgesetzen richten müssen und bloß in Religionssachen ihr eigenes Forum haben, daß aber auch alsdann bei der Handhabung der Gerechtigkeit kein Unterschied gemacht werde.« Jacobsohns *) Wahrscheinlich soll damit auf Jacobsohns Vater Israel Jacob angespielt werden. Goethe war gewiß kein Antisemit im heutigen Wortsinne. Niemand hat die Bibel in solchen Ewigkeitsworten zu schildern gewußt, wie er, und über die Juden ist kein schöneres Wort gesagt worden als das Goethesche: »Die Juden sind das beharriichste Volk der Erde; es ist, es war, es wird sein, um den Namen Gottes durch alle Zeiten zu tragen«. Aber große Geister sind zu Zeiten eben auch recht klein und bleiben Kinder ihrer Zeit. ’) Branaschw. Magaz. a. a, O.