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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 1 · p. Seite 89

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 1
Article
Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
Date
1914-01-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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Das Königlich Westphäiisehe Konsistorium der Israeliten. 89 besseren Jugend Unterrichts innerlich zu erneuern und die äußere Befreiung so durch die innere vorzubereiten, hatte er bereits 1801 die anfangs zu einer Industrie- und Ackerbauschuie1 *) bestimmte Schule zu Seesen*) mit einem Kostenaufwande von mehr als 100.000 Talern begründet. Unter den Napoleons Gnade ihr Dasein verdankenden staatlichen Neuschöpfungen sollte die größte, das Königreich Westphaien, die in der Verfassung3) auch den Juden verheißenen Rechte durch Königliches Dekret vom 27. januar 1808 voll verwirklichen8). Die namentlich in den hessischen Teilen des Reiches nicht nur den Juden, sondern auch den Lutheranern und Katholiken gegenüber geübte krasse Intoleranz 4) hat einer so vollkommenen Parität der verschiedenen Konfessionen weichen müssen, wie sie höchst selten in einem Staate geherrscht hat. Anders in dem Nachbarstaate, dem einem deutschen Regenten, dem Fürstprimas Dalberg5 * *), unterstellten Großherzogtum Frankfurt. Der ehemalige Mainzer Kurfürst, ein feinsinniger, Kunst und Wissenschaft liebender, den Juden persönlich auch keineswegs abgeneigter Herr, gestattete ihnen zwar, die öffentlichen Promenaden und die Cafehäuser der *) Braunschw. Magaz. a. a. O. S. 99. Siehe weiter unten, Sein Schwager Isak Herz Samson begründete um dieselbe Zeit die Anstalt in Wolfenbüttel. a) »Alle Untertanen sollen vor dem Gesetz gleich sein und die verschiedenen Konfessionen ihren Kultus frei ausüben«; s. auch Philippson a. a. O. S. 28; Kleinschmidt, »Geschichte des Königreichs Westphaien«, S. 156; Thimme, »Die inneren Zustände des Kurfürsten״ tums Hannover«, Band II, S. 230; Holzapfel, »Das Königreich Westphalen«, Magdeburg 1895, S. 77. 4) Thimme a. a. O. II, S. 229. »Im Hessischen waren Lutheraner und Katholiken nicht nur in Ausübung ihres Kultus empfindlichen Beschränkungen unterworfen, sondern auch von den Staatsämtern fast gänzlich ausgeschlossen«. *) Thimme a. a. O. S. 230. Über Dalberg siehe Beaulieu-Marconnay »Karl von Dalberg«. Den Titel Großherzog erhielt der Primas erst 1810.

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