Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums, 15 ein Gott-Mensch sein: »die jüdische Gottesidee ist keusch«. Aber der Begriff Gottes muß sich auf den Begriff des Mensehen beziehen. Denn Gott ist Gott der Menschen: er ist Vater der Menschen. Und der Vater hat die Aufgabe, seinen Kindern zu sagen, was gut sei. Dieses Gute hat zum Objekt den Menschen, der freilich auch als Subjekt dieses Guten gefordert wird. Und die Idee des Guten wächst zur Idee der Menschheit. Sagten wir: Gott offenbart sich dem Menschen im Verkünden des Sittlichen, so können wir jetzt sagen: Gott offenbart sich dem Menschen im Verkünden der Menschheit. Da bildet der Prophetismus den schroffsten Gegensatz zum Pantheismus, ln diesem Gegensatz erprobt sich sowohl die Transcendenz der prophetischen Gottesidee gegenüber der Natur, 81s die immanenz zum Menschen, dem sittlichen Wesen. Der Gottesbegriff wird nicht in der Physik entdeckt, sondern in der Sittlichkeit. Es besteht eine Differenz zwischen Natur und Sittlichkeit, aber keine unüberbrückbare Kluft, kein unausgleächbarer Gegensatz. Dies gewährleistet der prophetische Gottesbegriff. Glaubt aber die Ethik diesen Gottesbegriff nicht würdigen zu müssen, oder gar ihn entbehren zu sollen, so droht sie in Pantheismus zu geraten: ein Drittes gibt es nicht. Mit Atheismus läßt sich eine Ethik schlechterdings nicht anfangen. (Fortsetzung folgt.)