Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Hermann Gebens methodische Begründung des Judentums. Von Jacob Klatzkin. Hermann Cohen ist trotz seiner mehr als vierzigjährigen schöpferischen Arbeit auf dem Gebiete der Philosophie keineswegs populär und findet sogar unter Fachkollegen nur wenig Verständnis. Selbst Lexika, die, um dick zu werden, auch von zweifelhaften Größen ausgiebigen Gebrauch machen, wollen von diesem großen Denker nichts wissen. In den Geschichtsbüchern der Philosophie wird er in der Regel höchstens mit einigen Worten berücksichtigt. Selbst die Neukantianer, die in Cohen den würdigsten Interpreten und Reformator besitzen, umgehen häufig ihren Meister, — erst recht natürlich die Katheder-Philosophen anderer Schulen. Der Grund für dieses Verhalten ist leicht zu erraten. Die Weltanschauung Cohens ist in ihren Grund- Prinzipien, wie es die folgenden Kapitel darlegen sollen, die Weltanschauung des Judentums. Die Ethik Cohens verwertet in strenger Methodik die Grundsätze der jüdisehen Sittenlehre. So ist es begreiflich, daß man diese »Verjudung« der Ethik einem Katheder-Philosophen nicht verzeihen mag. Es kommt hinzu, daß Cohen sich freimütig gegen gewisse Lehren des Christentums ausspricht. Ohne die üblichen Rücksichten weist er den unethischen Gehalt der Lehre vom Sündenfal! nach, die nur dem Feinde aller Ethik, dem Pessimismus, gute Nahrung gibt; demgegenüber findet er die Grundlagen der Sittenlehre im Gedanken der Propheten vom messianischen Zeitalter und von der Transzendenz Gottes. Monatsschrift, 58. Jahrgang. 1