Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Mitgliederzahl der Gerichtshöfe zur Zeit des zweiten Tempels
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 8)
- Language
- German
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Über d. Mitgliederzahl d. Gerichtshöfe zur Zeit d. zweiten Tempels. 31 Weiter behauptet Funk, daß Jahrtausende lang bei den Juden das höchste religiöse Forum aus 85 Mitgliedern bestanden und zur Zeit des R. Gamliel 11 in Jamnia eine solche 85-gliederige Gelehrtenversammlung getagt habe. Die Zahl 85 findet er bei der »Großen Versammlung« כנסת הגדולה, nach dem jerusalemischen Talmud. Daß die »Große Versammlung« höchstens die erste in einer ganzen Reihe solcher Versammlungen gewesen ist, die »bei wichtigen Einführungen und tief ins Leben einschneidenden Verordnungen« stattgefunden, hat schon N. Krochmal in seinem »More nebuche ha-Seman« (Lemberg 1851, S. 102) begründet und die Vermutung ausgesprochen, daß das Epitheton »große« seinen Grund darin habe, daß sie die erste und mustergültige für spätere Zeiten gewesen ist. Aber, daß die Zahl der Mitglieder stets 85 war, ist nicht der Fall. Eher ist sie unbestimmt, sie bestand aus 72 (Sebachim I, 5; Jadajim 111, 5; IV, 2), 38 (Sifre Num. 128), 32 (Tosefta Mikwaoth VIII, 11), 24 (Tosefta Oholot XVIII, 17), 5 (Tosefta Mikwaoth VIII, 10) und noch anderen Zahlen, die bei N. Krochmal im he-Chaluz II, 44—45 zitiert werden. Die Zahl der Mitglieder der »Großen Versammlung« ist nach palästinischen Quellen 85, nach babylonischen 120. Funk versuchte den Ursprung dieser Zahlen in Verbindüng mit seiner oben zitierten Hypothese über die Differenz der Auffassung der beiden Quellen in bezug auf das Wort עדה zu bringen. Da solche Versammlungen nach dem Muster des Synhedrions in der Bibel aus 12 Stämmen zusammengesetzt werden, so ist nach der palästinischen Ansicht 12X7+1=85, nach der babylonischen 12 X10== 120 Personen. Bereits oben ist von uns nachdrücklich darauf hingewiesen worden, daß zwischen den Palästinensern und Babyloniern aber keine Differenz besteht, und daß nach beiden der Begriff des Wortes עדה mit der Zehnzahl verbunden ist.j