Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 1)
- Language
- German
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104 Besprechungen. Philippson Martin, Neueste Geschichte des jüdischen Volkes (Schriften, berausg. von der Gesellschaft zur Förderung der ,Wissenschaft des Judentums; Grundriß der Gesamt Wissenschaft des Judentums). Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock. Bd. III, 1911, IX u. 338 S. 8. (einschließlich alphabet. Personenregister für alle drei Bände). Von seiner neuesten Geschichte des jüdischen Volkes, deren beide erste Bände in dieser Monatsschrift (Jahrgang 1910) eine eingehende Würdigung durch den Referenten erfahren haben, hat Martin Philippson nunmehr den Schlußband erscheinen lassen. Das Sujet, das er behandelt, die Geschichte der Juden in Rußland und Polen von 1830 bis 1910, ist kein erfreuliches, und kaum wird ein Leser imstande sein, dieser Lektüre der unglaublichsten Leiden sich in ununterbrochener Vertiefung hinzugeben. Zu entsetzlich ist der Blutgeruch, der ihr entströmt, zu furchtbar der Jammer der Verfolgung, der aus ihr schreit, zu niederdrückend die Vereinigung der niedrigsten menschlichen Eigenschaften, von Bosheit, Dummheit, Fanatismus, Habsucht und Gewissenlosigkeit, die in ,ihm ohne Unterschied bei Hoch und Niedrig als Triumphator erscheint. Fast könnte es Staunens? wert dünken, daß die Feder des Geschichtsschreibers sich zu überwinden vermochte, in zusammenhängender systematischer Darstellung wiederzugeben, was schon bei der Zusammenstellung des geschiehtliehen Einzelmaterials nervenerschütternd wirken mußte. Es ist ein anderes, von Zeit zu Zeit etwas von den blutigen Vorgängen in Rußland zu erfahren, die nachträglich schon beinahe gewohnheitsmäßig geworden sind und dadurch leicht die Anteilnahme erschlaffen lassen, und hier in Philippspns Geschichte das ganze entsetzliche System in seinen übersichtlichen Zusammenhängen zu erschauen. Die Kunst des Verfassers, welche die früheren Bände auszeichnete, offenbart sich auch in diesem Schlußband. Vor allem ist das weitschichtige Material trefflich ein gearbeitet, ohne den Faden des Ganzen irgendwo zu stören. Die Darstellung selber ist schlicht und einfach und schlägt oft genug die wärmsten Herzenstöne an; sie übertreibt nirgends, sondern läßt die Tatsachen sprechen, die freilich eindringlich genug ihre Sprache führen, und resümiert nur scharf ihr selbstverständliches Ergebnis. Besonders bedeutsam tritt, das ganze Buch durchziehend,