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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1912-01-01
Page
Seite 103 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 103 alles rührt Ludwig Philippson seine tapfere und gewandte Feder- Er verfügte auf allen einschlägigen Gebieten über ein gediegenes philologisches, philosophisches, naturwissenschaftliches und historisches Wissen. Die geschichtliche Betrachtungsweise liebt er ganz besonders, und sie bildet bekanntlich auch einen hervorstechenden Zug seiner theologisehen Anschauungen, hinsichtlich deren er sich gerne als einen »geschichtlichen Juden« zu bezeichnen pflegte. Bezeichnend für den im Herzen Deutschlands Geborenen und Erzogenen ist außerdem die ebenso stark wie sein jüdisches Empfinden ausgeprägte deutsche Gesinnung, welche seine Abhandlungen durchzieht; sie veranlagte seine eifrige politische Tätigkeit und gibt auch in seinen Aufsätzen seinem Eintreten für die Gleichberechtigung der deutschen Juden einen ganz besonderen Einschlag. In der vorliegenden Ausgabe sind die ausgewählten Stücke nach drei Abteilungen rubriziert, welche allgemein Menschliches, Staatliches und Religion behandeln. Eine vierte Rubrik umfaßt Besprechungen zu einer Reihe wissenschaftlich bedeutsamer oder sonst markanter Literaturerscheinungen, die damals allgemein religiöse oder jüdische Fragen in philo- oder antisemitischem Sinne behandelten; es bedarf nur der Namensnennung von David Fr. Strauß, Eduard v. Hartmann, Renan, Mommsen, Treitschke, am die Bedeutung derselben zu kennzeichnen. Die Besprechungen sind noch dazu meistens zu ganzen Abhandlungen ausgewachsen und besitzen darum größeren Wert als den von Gelegenheitsarbeiten. Ganz besonders bilden die eingehenden Zurückweisungen der antisemitisch gefärbten Philosophie-, Geschichts- und Kulturgeschichtswerke eine unerschöpfliche Quelle gewichtiger Belehrung und bieten treffliche Waffen auch für die Jetztzeit noch. Der heutige wissenschaftliche Standpunkt ist vor allen Dingen in der Bibelforschung vielfach über die Philippsonschen Anschauungen hinausgeschritten, wie auch manche historische Voraussetzung der Abhandlungen sich durch die Entwichlung der geschichtlichen Verhältnisse von selber erledigt hat. Das hindert aber nicht, daß auch solche Aufsätze, um wie vielmehr die noch unbeschränkt gültigen, dem Kenner und erst recht dem Laien reiche gedankliche Anregung und wohltuende Erhebung des Gemütes gewähren. Es könnte kein würdigeres Andenken an Ludwig Philippson geben, als wenn seine Darlegungen zum Gemeingut derer würden, für deren religiöse und bürgerliche Fortentwicklung sie einst bestimmt waren. Mögen die »gesammelten Abhandlungen« dazit beitragen und so den eigentlichen Zweck ihrer Herausgabe erfüllen, für die das deutsche Judentum dem pietätvollen Herausgeber, wie dem die Eraubnis gewährenden Verlage nur herzlich dankbar sein kann. Nürnberg. M. Freudenthal,

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