Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 19)
- Language
- German
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9S Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter Ist n un nach unseren Ausführungen die bisher übliche Anschauung von einem Walten der Vorsehung betreffs der Verpflanzung des eindringenden Talmudstudiums durch Sendboten, sei es aus Babylonien, sei es aus Unteritalien, nicht mehr aufrecht zu erhalten, so können wir andererseits doch das Walten der göttlichen Leitung Israels bewundern, die in die Geister und Herzen des in der Diaspora lebenden Volkes den Sinn für eine eingehende und liebevolle Beschäftigung mit dem Talmud gelegt und somit die Keime für den nachmals in Süd- und Mitteleuropa, wie in Nordafrika, erstarkenden Lebensbaum der Lehre schon längere Zeit vorher in den empfänglichen Boden gesenkt hat. Wenn auch der in dem geonäischen Zeitalter unserem Volk verliehene äußere »Stolz Jacob’s« den veränderten Zeiten weichen mußte, so hat das »rabbinische Judentum«, vielfach unter schwierigen Verhältnissen sich selbst den Quell der Lehre erschließend, bereits seit einer längeren Zeit, teilweise auch ohne direkte geonäische Unterstützung, wie in Süditalien, seine fernere, segensreiche und für die Erhaltung unserer Gemeinschaft durchaus unentbehrliche Wirksamkeit vorbereitet: ein deutliches Zeichen von IsraePs unerschütterlicher Lebenskraft, die aber lediglich ihre Wurzeln in der Erhaltung und Fortpflanzung der früher und auch jetzt noch so viel angefochtenen »rabbinischen Tradition« hatte.