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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 78

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1912-01-01
Page
Seite 78 (sequence 14)
Language
German
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78 Die Ethik R. Saadjas. dir verhaßt ist, das füge auch deinem Nächsten nicht zu«. Dieser Satz wird in der talmudiscchen Literatur genau an denselben Beispielen erklärt! die Saadja zur Widerlegung des Hedonismus anwendet* 1). Dadurch wird es erst erklärlich, weshalb er abweichend von Plato den Widerspruch der Lust im Gegensatz von Ich und Du suchte. Aber gleichviel welche Form seinem Prinzip auch immer gegeben werden mag, der Begriff des Guten, der ihm zu Grunde liegt, schützt seine Ethik vor dem Vorwurf Steinthals, »daß alle eudämonistischen Erwägungen konsequent verfolgt in Lächerlichkeit und Gemeinheit endigen und ungefähr dasselbe auch von dem Nützlichkeitsprinzip gelte«2). Man wird ihr vielmehr, wenn die Behauptung Wehrenpfennigs richtig ist, daß der Prüfstein Ethisches und nicht Ethisches von einander zu lösen, der Gedanke sei, daß das Wesen des Sittlichen in der Aufhebung des Gegensatzes von Ich und Du in der Richtung auf das Allgemeine bestehe«3), wenn er ihn nicht gar ans Seneca de beneficiis 2, 1 u. epist. 94 ent־ nommen hatte, nur von Juden gehört haben. Denn die Kauptdifferenz zwischen der jüd. Tradition und den Evangelien in der Auslegung des Gebotes von der Nächstenliebe bestand gerade darin, daß die Evangelien die negative Form verwarfen und die idealere positive betonten; s. Lucas 6, 31; Matthaeus 7, 12. R. Akiba bezeichnet die Nächstenliebe als ein vielen Geboten zu Grunde liegendes Prinzip und Abraham Ibn Daüd, der berühmte Kommentator, erklärt sie an dieser Stelle wahrscheinlich im Hinblick auf Hillel und das Targum ebenfalls nach der negativen Seite hin, Sifra, ed. Schloßberg, Wien 1862, p. 89a N. 12. Saadja, als die erste talmudische Autorität seiner Zeit, der III, S. 59 die Nächstenliebe als Pflicht fordert, kannte zweiffellos die negative Fassung dieses Gebotes aus dem Targum und den talmudischen Schriften. l) Raschi, der in seinem Kommentar meistens die traditio־ nellen Erklärungen beibehält, erläutert den Satz Hilleis an den vier von Saadja angeführten Verboten B. Sabbat fol. 31a. s) H. Steinthal, Allgemeine Ethik, Berlin 1885, S. 42. 8) Wehrenpfennig, Die Verschiedenheit d. eth. Prinzip, bei den Hellenen, Progr., Berlin 1856, S. 63.

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