Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
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64 Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen etc. Justin ist hier gewiß ein unverdächtiger Gewährsmann. Wenn er nun den Juden das Zeugnis gibt, daß sie derartigen über die Christen ausgestreuten Verleumdungen keinen Glauben schenken, so dürfen wir ihm dies aufs Wort glauben. Aber auch die Antwort Tryphons, die einen ebenso glaubwürdigen als vornehmen Eindruck hervorruft, ist für unsere Behauptung beweiskräftig. — Die Diskussion zwischen Juden und Christen war eben damals noch — wie Justin selber dies hier einräumt — eine sachliche. Persönliche Angriffe und Verdächtigungen waren noch nicht an der Tagesordnung und wurden als solche abgewiesen. »Wir glauben derlei Dinge nicht,« sagt Tryphon kurz, »denn sie sind wider die menschliche Natur.« dasselbe von den Christen geglaubt und haben.es genug bereut, daß sie Mißgeburten verehren, Kinder verzehren, unzüchtige Mahl- Zeiten und Zusammenkünfte hielten. Wir dachten nicht, daß dies so von jedermann immer wieder in den Tag hinein gesagt werde, ohne daß es jemals untersucht oder bewiesen worden wäre. Minuc. fei. 28: (. . . Nec intelligebamus, ab bis fabnlas istas semper ventilari et nunqnam vel investigari vel probari, nec tanto tempore aliquem existere, qui proderet, non tantum facti veniam, verum etiam judicii gratiam consecuturum.)— Und auch aus den einschlägigen Stellen bei Tertullian Apoiog. c. 7, 8, 9 geht unzweideutig hervor, daß diese Anklagen immer nur von heidnischer Seite erhoben wurden. (Schluß folgt.)