Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 49 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen. Von M. Freimann. (Fortsetzung.1) UI. Ein Menschenalter ist verflossen, seitdem Justin sein Wechselgespräch mit Tryphon gepflogen, und wie gründlieh hat sich inzwischen die Situation verändert! Noch steht im Vordergründe der immer weiter und mächtiger ausgreifenden religiösen Bewegung der allbeherrschende Gnostizismus auf der einen und der allerdings schon im Rückgang begriffene Nazaräismus auf der andern Seite. Allein schon ringt sich zwischen beiden, genährt von den lebenskräftigsten und zeitbeherrschenden Ideen beider, jene Kirche durch, die bald die allgemeine werden sollte. Schon beginnt sie den schweren Fuß auf ihre Erzeuger zu setzen, den Gnostizismus mit dessen eigenen Waffen bekämpfend und den Nazaräismus verketzernd. Predigt Justin noch dem jüdischen Christentum, Toleranz zu üben gegenüber dem heidnischen, ihm eindringlich ans Herz legend, diesem die Bürde des Gesetzes nicht aufzwingen zu wollen; so ist die heidnische Kirche jetzt schon derart erstarkt, daß sie noch größere Unduldsamkeit den nazaräischen Sekten gegenüber zu üben, den Nazaräismus als eine Verfälschung der reinen Lehre Jesu zu verdammen und ihn ins Judentum zurückzuschleudern wagen darf2). 0 Vgl. 55. Jahrg., S. 555«. *) Die nazaräischen Sekten wurden in der Folge nicht mehr als christliche sondern als jüdische angesehen. Von der Sekte der Nazaräer seiner Zeit berichtet Hieronymus ad August. 89: Usque Monatsschrift, 56. Jahrgang■. 4