Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
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Ludwig Philippson. 27 biner die innere Umwandlung in den dreißiger Jahren vor sich ging, wie unter dem Einflüsse dieser theoretischen Erörterungen sich ein neues Leben regte, welches zu den besten Erwartungen berechtigte. Man durfte hoffen, die Mehrheit zunächst der deutschen Juden auf Grund des Mosaismus auf einer neuen Form des Bekenntnisses, seiner äußeren Gesetze und Kultuseinrichtungen zu vereinigen. Übersetzungen der Bibel und des Gebetbuches, Schulbücher, Katechismen, Konfirmation, deutsche Predigt gewannen wieder die Gebildeten. Es handelte sich nun aber darum, der Bewegung Einheit und gemeinschaftliche Führung zu geben. Daher lud Geiger 1887 eine Anzahl gleichgesinnter Rabbiner zu einer Zusammenkunft nach seinem Amtssitze Wiesbaden ein, um gemeinschaftlich zu beraten, wie der Begriff ihrer Wirksamkeit klarer zu entwickeln und durch gemeinsame Besprechung schneller als auf dem bisher eingeschlagenen literarischen Wege zu gleichrnäßigen Ansichten und Entschließungen zu gelangen sei. Es kamen meist Anhänger der radikaleren Richtung; von den Ergebnissen ist nichts veröffentlicht worden, unmittelbare Wirkung übte sie nicht aus, aber es war der Keim der späteren Rabbinerversammlungen. Jedoch das Bedürfnis einer Einigung machte sich immer mehr geltend. In Breslau war es zum offenen Kampfe der Orthodoxen unter Führung Tiktins und der Anhänger der Umwandlung, die zur Berufung Geigers führte, gekommen, in Frankfurt zur Gründüng des »Vereines der Reformfreunde« mit rein negativem Programm. Gegen diesen, der allerdings keinen Fortschritt mehr, sondern einen Bruch mit der Vergangenheit bildete, wendeten sich gerade die Anhänger der gemäßigten Reform, vor allem Philippson, der erklärte, eine Reform dürfe nicht die Grundformen antasten, sonst sei es nicht Reform, sondern Zerstörung. Ebensowenig Anklang fand die etwas später gegründete Berliner »Genossenschaft für Reform im Judentum«. Weitere Kreise zog die Angelegenheit des