Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Siebenter Jahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
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124 Protokolle. nähme für die Wissenschaft des Judentums unter unser» Glaubensgenossen, sondern sehen auch, wie den von uns herausgegebenen Werken die anerkennende Beobachtung der wissenschaftlichen Welt zuteil wird und wie sie — wie bei aller echten Wissenschaft — der Aufklärung und der Zerstörung von Vorurteilen dienen1), eine Tat- נ) In der »Wormser Zeitung« vom 9. Oktober 1909 finden sich die folgenden, das oben Ausgeführte trefflich illustrierenden Darlegungen: Es ist eigentlich merkwürdig, daß Menschen wie Christen und Juden, die doch einen großen Teil ihrer Religionsgeschichte und ihrer religiösen Schriften gemeinsam haben, so fremd, ja direkt feindlieh abgeschlossen nebeneinander hergehen. Ein trauriges Beispiel für die Tiefe der Kluft, die religiöser Fanatismus mit nationalem im Bunde zwischen Menschen und Menschen reißen kann, die sich sonst geistig und sittlich nahestehen müßten. Vor 700 Jahren starb im fernen Ägypten ein jüdischer Denker und Weiser: Moses ben Maimon, auch wohl kurz Maimonides genannt. Zu seinem Gedächtnis gibt die »Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums« ein zweibändiges Werk heraus, dessen erster rund 500 Seiten starker Band nun vorliegt. In welche Fülle gedanklicher Arbeit schaut man da hinein! Eine Verarbeitung der höchsten antiken Gelehrsamkeit, mit dem ganzen sittlichen und religiösen Ernst der jüdischen Forschung! Der ganze Reichtum einer Kulturepoche, die so gut wie jede andere als Vorarbeit für die unsrige nötig gewesen ist, und von der wir sogar noch manches zu lernen hätten! Den Verächtern und Verlästerern des Judentums, deren billige, bequeme und oberflächliche Verallgemeinerungen und Entstellungen leider einen allzubreiten Boden in unserer Öffentlichkeit finden, sei doch einmal das Studium eines solchen Werkes ernsthaft empfohlen! Wenigstens denen unter ihnen, denen noch nicht alle Ehrlichkeit und aller Gerechtigkeitssinn im gemeinen Vergnügen von niedrigen Späßen und grobem Unfug untergegangen ist. Das genannte Sammelwerk gibt uns schon in diesem ersten Bande einen Begriff von der Gedankenschärfe, von dem emsigen Fleiß, von der edlen Gesinnung dieses alten jüdischen Philosophen und damit zugleich des Judentums überhaupt. Denn nur als geistiges Glied in der gesamten jüdischen Kulturwelt und Kulturgeschichte ist er verständlich. So sehen wir ihn im Geist in die religiösen Werke des Judentums vertieft, sehen ihn bemüht, aus den schwierigen Erörterungen