Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 5)
- Language
- German
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118 Besprechungen. auch von dort verdrängt werden, flute einerseits ein wachsender Auswanderstrom von Juden über den Ozean, andererseits steige das Elend der östlichen Juden von Jahr zu Jahr. Wo Juden in Massen beieinander wohnen, herrsche wegen ihrer heutigen Berufsschichtung Mangel und Not, somit Unfähigkeit, an der allgemeinen Kultur teilzunehmen oder sie gar zu fördern. Die Zerstreuung in die Diaspora scheine das einzige Heilmittel gegen die wirtschaftliche Not• Dem einzelnen gehe es in der Tat dann wirtschaftlich besser, aber andererseits trete dann die Assimilation unabwendbar ein, und Assimilation heiße »Auflösung des Judentums«. Je stärker die Juden am staatlichen Unterrichtsleben teilnehmen,, um so fremder stehen sie zum Judentum. Mit dem Nachlassen der Orthodoxie höre auch das Interesse an der Religion auf; das weitere ist eine Frage der Entwicklung weniger Generationen. Nur das Ghetto- Milieu vermöge das Judentum als solches zu konsevieren; sobald der äußere Druck nach lasse, die wiitschaftliche Lage sich verbessere, beginne die Loslösung, die Zersetzung. Verfasser bringt noch eine Reihe von Daten über die Mischehen und die Zahl der Judentaufen und schließt ganz konsequent mit der Bemerkung, daß sein Buch eigentlieh nur noch den Wert eines »Epitaphs« besitze. Eine sterbende Rasse sei es, die er geschildert und verteidigt habe. Inwiefern Verfasser, der auch den Zionismus strikte ablehnt, in seinem Pessimismus über das Ziel hinaus geschossen und die leben digen, in derjudenheit wirkenden Kräfte der Verjüngung und Wiedergeburt unterschätzt hat, das zu untersuchen ist nicht Sache des Referenten. Doch scheint vor allem in dem neuerwachtem Interesse weiter, auch nicht theologischer, Kreise an jüdischer Art und jüdischer Überlieferung die Gewähr gegeben, daß auch hier der achilleische Speer die Wunden, die er schlug, selbst heilen \yird; dasselbe nationale und. Rassengefühl, das den Antisemitismus groß und verderblich machte, es schafft auch — langsam aber sicher — innerhalb der jüdischen Intelligenz im ruhigen Bewußtsein eigenen Wertes das sicherste Bollwerk gegen. Assimilation und gegen Taufe, gegen Auflösung; und Rassentod. Berlin. A. Crzellitzer.