Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. begreift man denn den Höhepunkt der Schmach, die man den Geknechteten frohgemut zufügte1). Doch auch in Rom gab es für sie in jener Periode Herrscher mit milderer Auffassung. Es war herkömmlich, daß die Juden den Papst, während er zum ersten Male nach seiner Krönung zur Laterankirche zog, um die Bestätigung ihrer religiösen Gesetze angehen mußten, — wir erfahren, daß einmal ein spanischer Arzt, Rabbi Samuel, der Leibarzt des Papstes, die sie betreffende Anrede hielt — und bei einer Besprechung über zeremonielle Angelegenheiten, im Anfänge seiner Herrschaft, trug denn Papst Julius der Zweite seinem Ze״ remonienmeister auf, dafür Sorge zu tragen, daß bei diesem Bestätigungsakte den Juden keine Gewalttätigkeit zuge- *) Rieger meint zwar, a. a. O. S. 17,: »Diese Läufe hatten durchaus nichts Entehrendes, sondern waren lediglich wie es ein neuerer Schriftsteller ausgedrückt hat, »numero du Programme.« Gregorovius aber erklärte (»Wanderjahre in Italien« 1. Bd. 1855. 8. Aufl. 1896. S. 78/79), in seinem Aufsatze: Der Ghetto und die Juden in Rom: »Nicht allein mußten sie sich der Entehrung unterwerfen, einen Trupp ihrer Ältesten, in Wämmser gekleidet, der Cavalcade der Senatoren voranschreiten zu lassen, wenn diese den Corsozug (an Fastnacht) eröffneten, sondern sie selbst mußten zur Schau rennen... Noch heute ist es Festsitte in den Städten Italiens, um die Pallii zu rennen, das heißt um den Preis von Seidenstoffen, weiche der Sieger davonträgt... Zwar möchte es scheinen, daß die allgemeine Teilnähme am Wettrennen, welchem sich auch Römer unterzogen, das Entehrende davon entfernt habe; doch muß man bedenken, daß dasselbe Vergnügen, welches von Römern als ein olympisches Spiel angesehen wurde, für die Juden als Schimpf galt. . . . Später wollte das Volk den Judenlauf nicht mehr missen; ich finde in Sprengers »Roma nova« (vom Jahre 1667) die Nachricht, daß die Juden nackt und nur mit einer Binde um die Lenden laufen mußten, und zwar, sagt er, rennen erst die Esel, dann die Hebräer, hierauf die Büffel, endlich die Berberpferde.« . . . Noch jetzt, schließt Gregorovius seine unter der Herrschaft des letzten weltlichen Papstes geschriebene Schilderung »kommen die Hebräer am ersten Sonnabend der Garne•־ valsfeste auf das Capitol und leisten hier Huldigung und Tribut für die Pallien, welche sie zu beschaffen haben, in Erinnerung dessen, daß nun Pferde an ihrer Stelle das Volk belustigen.«