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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 13

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
Date
1909-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Zur Geschicbte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 13 spiele vom Jahre 1504: Sonntag am 11. Februar, nach dem Mittagsmahle, liefen die Juden vom Campo di Fiori bis zu dem der Brücke zugewandten Turme des Castell’s Sant Angelo, während der Papst von einem Gartenzimmer aus zuschaute1). Nun waren Juden allerdings nicht die einzigen, die — seit der Einführung dieser Ergötzlichkeit durch Papst Paul den Zweiten in den sechziger Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts2 3) — gruppenweise Wettläufe zur Karnevalszeit ausführten: es liefen auch Knaben, es liefen auch junge Männer, es liefen Greise, die aber alle selbstverständlieh nicht gezwungen um den Preis sich mühten, — es liefen aber auch Lastthiere, Esel und wilde Berberpferde und Pferde und Büffel8), späterhin wird überliefert, daß die Juden nackt liefen4), — und in diesen Zusammenhängen des Volkes die lauge Rennstrecke, welche mehr als einen Kilometer betrug, durchlaufen. Zuweilen kam es vor, daß der Arme den Anstrengungen unterlag und auf der Strecke tot hinsank♦ Allerdings fehlten solche Ausbrüche der Barbarei auch an den anderen Tagen des Karnevals nicht, an denen Kinder, Jünglinge und Greise der Christen laufen mußten.« *) Da mir Tliuasna’s Ausgabe dieses Diariums nicht zur Hand ist, zitiere ich nach meinem Excerpt aus der Handschrift der Hof- und Staatsbibliothek in München: »Die Dominica XL Februatij post prandium cucurerunt Jude! a cainpo Flore ad turrifn castri sancti Angeli pontem respicientem papa in camera horti uidente.« *) Siehe: Historische Texte über das Karnevalsrennen der Juden, in: Geschichte der Juden in Rom von Hermann Vogelstein und . . . Paul Rieger. 2. Bd. 1895. S. 137, 3) Wie mau aus Burkard's Diarium ersieht. — Im Jahre 1505 trug der Zeremonienmeister ein: »Die Lunae XXVI. Januarij post prandium a campo Flore ad castrum sancti Angeli cucurrerunt iudei bina uice, quia prima motio non fuit bona, et qui primo fuit prhnus, fuit etiam secundo primus, et habuit pallium . . .« In seinem Todesjahreaber, 1506. bemerkte Burkard: »Die Martis XVI. Februarsj et sequentibus diebus Iudei et ceteri cucur[r]erunt pro paliijs more solito, et alia festa bestiaiia Romana habita solenniter.« 4) Vogelstein und Rieger, a. a. O. S. 140.

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