Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. gonien und Isabella von Castilien, zu ihr antrieben> und das spanische christliche Volk diese Maßregel jauchzend aufnehmen ließ, ln einem Schreiben des Königlichen Rates an Karl den Fünften vom 13. April 1521, das den Kaiser zur Ausrottung der Ketzerei iii seinen spanischen Landen auffordert1), heißt es: man sei auch früher in Spanien gegen sie aufgetreten, obwohl den Herrschern dadurch ein bedeutender Teil ihrer Einkünfte verloren gegangen sei : sie hätten dies getan — »por acrecentar nuestra Sancta fe y aportar todo. 10 que podria ser estorvo del servicio de dios«,— (um unseren heiligen Glauben zu vermehren und um Alles zu beseitigen, was ein Hemmniß des Dienstes Gottes sein würde.)« Nicht anders als eine Pestbeule erschienen im Jahre ihrer Austreibung dem christlichen, aus Italien eingewanderten, gelehrten Beurteiler Pietro Martire d’Anghiera die spanischen Juden: durch ihren schmutzigen Handel würden weckt Bewunderung, selbst wenn uns bei der milden Denkart unserer Zeiten die Härte dieser Maßregel empört.« »Gewiß ist indessen« urteilt Pesch el weiterhin (S. 118 f.), »daß die Krone bei Vertreibung der Juden und Araber, wie bei der Inquisition, sich nicht durch niedrige fiskalische Motive leiten ließ, sondern recht glaubhaft, daß Isabella in ihrem Eifer sich verrechnet und nicht die Vertreibung selbst, sondern durch ihre Androhung eine rasche und allgemeine Bekehrung beabsichtigt habe.« Diese Ansicht begründete, nach Pescheis Angabe, Friedrich Kunstmann: Über die Rechtsverhältnisse der Juden in Spanien und Portugal und die Ursachen ihrer Vertreibung aus beyden Ländern. (Gelehrte Anzeigen, herausgegeben von Mitgliedern der k. bayr Akademie der Wissenschaften. 1848, Nr. 29-31), Lorenzo Galindez Carvajal, ein Rat Ferdinands und Isabellas, sagt in seinen Anales breves del reinado de los reyes Catolicos D. Fernando y Dona Isabel (Coleccion de documentos ineditos para la historia de Espana XVIII. S. 236), sie hätten die Juden ausgetrieben: »por el äumento de la fe cristiana, no atendiendo ä los muchos tributos que perdian.« *) Constantin von Höfler: Der Aufstand der castillianischen Städte gegen Kaiser Karl V. 1520—1522, Ein Beitrag zur Geschichte des Reformationszeitalters. 1876, S. 222; ausführlicher und wohl korrekter bei Gustav Bergenroth: Supplement to Vol. I. and II. zum