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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
Date
1909-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 5 zu verkaufen oder mitzunehmen, was man wollte, ausgenommen jedoch Gold und Silber, sowie die dem Ausfuhrverbot unterliegenden Waren. So war es natürlich, daß der sehr bedeutend^ Reichtum vieler Juden theilweise fast in Besitzlosigkeit verwandelt wurde. Und was die Ausgestoßenen alle zurücklassen mußten, war doch das Höchste: die heimische, alt-väterliche Erde, die Luft, in der ihre Jugend geatmet, die Stätten, wo ihre Toten bestattet, der Zauber des Landes, der ihre größten Geister genährt, ihre eigenen Seelen erhoben hatte. So begreift man, daß im Jahre 1519 in Flandern lebende Marannen bei Kaiser Karl dem Fünften um die Summe von 800000 Golddukaten ihre Rückkehr zu erkaufen suchten1); es war vergebens, und heute noch stellen die Juden, übrigens wie auch die Protestanten, in Spanien keine der katholischen gleichstehende, sondern nur eine geduldete religiöse Gemeinschaft dar. Über die Veranlassung ihrer Austreibung gehen die Ansichten der Forscher auseinander, und man mag darüber, streiten, ob allein religiöse Überzeugung oder auch habsüchtige Gier, oder eine wie starke Mischung beider es war2), welche die spanischen Herrscher, Ferdinand von Ara- 1) Frederic David Mocatta: Die Juden in Spanien und Portuga und die Inquisition. Ins Deutsche überfragen von S. Kayserling 1878, S. 65. 2) Jean Antoine Llorente: Histoire critique de l’inquisition d’Espagne . . . Traduite de l’espagnol . . . par Alexis Pellier. T. II (1817) Chap. VIII. will die Veranlassung der Austreibung zuschreiben »au fanatisme de Torquemada (des Großinquisitors), ä l’avarice et ä la Superstition de Ferdinand; aux idees fausses et au zele inconsidere que Ton avait inspire ä Isabelle, ä qui l’histoire ne peut refaser unc grande douceur cPäme et un esprit eclaire.« Auch Oscar Peschei: Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen, 2. Aufl. 1877, S. 116 f. meint: »Um den frisch gewonnenen Boden zu reinigen (limpiär), wie man sich ausdrückte, wurden Juden und Araber aus dem Lande gestoßen. Eine verständige Fürstin, wie Isabella, sah klar die tiefen Verluste einer solchen Entleerung des Reiches voraus, allein sie glaubte ihrem Gotte mit diesem Opfer zu dienen. Diese Regung er-

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