Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. und Rechtskränkung in und mit der Allgemeinheit wirken dürfen, erscheint dies nicht wie ein Wunder, wenn wir an die grauenvolle Tragik und das verkümmerte Hindämmern, an die rechtliche Einschnürung und Ausschaltung und an den Zwang denken, von der ethischen Pflichterfüllung der Allgemeinheit gegenüber sich zumeist fern halten zu müssen, die frühere Jahrhunderte für die Juden mit sich trugen? Und doch ist dieses unser Leben, sein Recht und sein Pflichtenrecht fast gänzlich alltäglich geworden: die wahren echten Wunder haben sich somit als höchstes Wunder schon teilweise erfüllt. Aber wir wissen: alles ist Ergebnis einer Entwicklung: die Schöpfungsgeschichte läßt den Menschen auch nicht am ersten Tage der Schöpfung entstehen: das Licht, das ihm die Welt anschaulich macht und ihn zum Himmel hinweist, und die Finsternis, die sein ermüdetes Gehirn zum kraftspendenden Schlummer leitet, und die Nahrungswelt des Erdbodens gehen voraus. Und so zeigen uns auch die letzten Jahrhunderte bezüglieh des inneren und äußeren Lebens unseres Volkes, insoweit nichtjüdische Elemente dieses bedingten, manchen Wechsel: mildere Auffassung betätigt sich, leidenschaftliehe Wut bricht persönlich und literarisch los, die Menschlichkeit kommt zur Geltung, es kommen Rückstauungen — aber das organische Leben, die gottgewollte, zähe Natur leben ihre Weise bis zum Tage des Aufathmens und des Eintretens in den Kreis der Allgemeinheit. Einige Belegstücke nun für das wechselnde Leben unseres Volkes will ich hier vorführen, Belegstücke, die fast ausschließlich nicht aus jüdischer Feder stammen, die aber weil sie christlichen Ursprunges sind Jüdisches objektiver spiegeln. Nicht systematisch Erforschtes bringe ich; was ich biete, sind zumeist Stücke, die mir beim Studium ge״־ legentlich entgegengetreten sind. Bekanntlich beginnt man immer noch einen Gedankenabschnitt der Weltgeschichte mit der Entdeckung Ame- 1*