Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden und das junge Deutschland
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
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Analekten. 107 jüdischer Abstammung waren, genügt nicht1), denn in jenem Gutachten, in dem die durch die neue literarische Gruppe drohenden Gefahren auseinandergesetzt werden, ist von Heine und Börne überhaupt nicht die Rede. Wohl aber könnten die Quellen für die Beschuldigung, daß man es hier mit Juden zu tun hätte, in Berichten gefunden werden, die die österreichische Regierung schon seit 1834 aus Frankfurt und Mainz erhielt. Gerade dort, wo sich ja viele Juden aufhielten, war es leichter als anderswo in den Juden die Uebeltäter zu vermuten. Eine ganz bestimmte Notiz finde ich allerdings erst in einem Konfidentenbericht (unter diesem offiziellen Titel: Konfidenten verstand man das, was wir etwas weniger ehrerbietig als Spione oder Spitzel bezeichnen möchten) von Pfeilschifter 11. November 1835, wo es heißt: »Einige jüdische Literaten dahier (der Bericht ist aus Frankfurt)'z. B. Dr. Wihl u. a. sind eifrige Verehrer des Gutzkow und Konsorten, weil sie die christliche Religion mehr oder weniger zu untergraben versuchen.« Ferner ist darauf hinzuweisen, — das kann aber die ausschließliche Quelle für die Anklage nicht sein — daß in Gutzkows Wally eine freigeisterische Jüdin auftritt, gewiß nach dem Urbild der Rahel geformt, die antireligiöse und damit auch -antichristliche Gesinnungen hegt, und diese ihren christlichen Freunden mitzuteilen bestrebt ist. J Merkwürdigerweise wird in der 1834 von dem österreichischen Beamten Noe gesendeten Liste aller anrüchtigen Persönlichkeiten — abgedruckt in dem schon angeführten Buche: das junge Deutschland, 1907 S. 223 ff — kein einziger Schriftsteller genannt, der damals noch Jude-war. Börne und Heine werden zwei große, nicht uninteressante Charakteristiken gewidmet. (S.. 224 und 225) Aber nur bei Börne heißt es: »jüdischer Abkunft«; bei Heine werden nicht einmal diese Worte gebraucht, sondern es heißt nur »unstreitig einer der begabtesten jetzt lebenden Schriftsteller Deutschlands«.