Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden und das junge Deutschland
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829813-2846431--35967-2846565- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
106 Analekten. Bundesstaaten auf die angeblichen Gefahren aufmerksam machte, die ihnen von der literarischen Gruppe des sogenannten jungen Deutschland drohten, findet sich auch der Hinweis darauf, daß diese Uebeltäter vielfach jüdischen Ursprungs seien. (Vergleiche mein Buch: Das junge Deutschland und die preußische Zensur, Berlin 1900 S. 138) Demgemäß wurde von dem österreichischen Gesandten in Rom in einem Schreiben an die päpstliche Regierung und in einem Auszug daraus an seinen Auftraggeber den österreichischen .Staatskanzler von den »schönen Geistern Norddeutschlands« gesprochen, »die den Talmud abgeschworen hätten« (vergleiche mein neues Buch: »Das junge Deutschland, Mitteilungen und Abhandlungen, Berlin 1907 S. 187).. Ich habe mehrfach auf das völlig Ungerechtfertigte dieser Anklage hingewiesen, (so mit besonderem Nachdrucke in beiden ausführlichen Artikeln, die den Titel dieser Miscelle führen in der A. Z. d. J. 1906, Nr. 24 und 25); hier sollen die dort gemachten Bemerkungen nicht wiederholt, sondern es mag nur kurz daran erinnert werden, daß die vier Hauptbeschuldigten: Gutzkow, Laube, Wienbarg, Mündt,.. allerdings wohl damals und später mit jüdischen Kreisen verkehrten, auch gelegentlich, wenn auch keineswegs alle eine gewisse Judengönnerschaft bekundeten, aber durchaus germanischen Ursprungs waren und auch durch Verheiratung oder Verschwägerung absolut nicht mit Juden in Verbindung traten. Woher ist nun dieser Vorwurf entstanden? Man könnte darauf antworten und hat auch gesagt: germanische Aristokraten sind bei Beurteilung von Gesinnungen, die ihnen unangenehm sind, leicht mit der Anklage bei der Hand, solche Anschauungen stammten von Juden. Doch ist diese Antwort nicht stichhaltig, weil die Anklage so positiv auftritt, daß für die vorgebrachte Beschuldigung ein bestimmter Anhalt vorhanden sein muß. Auch der Hinweis auf die allgemein bekannte Tatsache, daß Heine und Börne die großen Anreger des sogenannten jungen Deutschlands