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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 1 · p. Seite 102

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 1
Article
Staatsrat Stägemann
Date
1908-01-01
Page
Seite 102 (sequence 1)
Language
German
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102 Analekten. 2. S t a a t s r a t S t ä g e m a n n. ln einem Briefe Stägemanns, des Berliner Staatsrates, der sich durch seine Gedichte einen Namen gemacht hat, in weiteren Kreisen hauptsächlich durch seinen Briefwechsel mit Varnhagen bekannt ist, an Benzenberg, einen zu seiner Zeit vielgenannten Politiker (Grenzboten 1860 Bd. II. S. 391) 25* September 1819 heißt es : »Unsere Juden haben wenig hep hep gehört. Die Franzosen freuen sich ja auf ihre Einwanderung in Frankreich. Wenn die verwünschten sogenannten freien Städte nicht wären, würden wir (ohne die polnischen) in 50 Jahren keinen Juden mehr in Deutschland haben«. Der eine der mitgeteilten Sätze: »Die Franzosen« knüpft natürlich nicht an eine wirkliche Tatsache an, sondern an die Fiktion, als wenn die Juden Deutschlands überdrüssig nach Frankreich, wo sie volle Emanzipation genießen, auszuwandern die Absicht hätten. Der Schlußsatz kann nichts anderes bedeuten, als: die Juden lassen sich, wenn man ihnen nichts Schlimmes antüt, wenn man sie nicht durch Verfolgungen Oder Verspottung an ihr Judentum erinnert, und dadurch ihre Hartnäckigkeit oder ihren Widerstand reizt, alle taufen. Eine solche Betrachtung, die ja freilich durch die Folgezeit als unrichtig dargetan worden ist, begreift sich dadurch, daß Stägemann in Berlin lebte und gerade mit den Kreisen vertraut war, in denen die getauften Juden dominierten. Der erste Satz unserer Mitteilung bezieht sich auf die antijüdische Bewegung, die damals namentlich in Hamburg und anderen freien Städten (allerdings auch in einzelnen süddeutschen Städten) sehr lebhaft war, während Berlin davon ziemlich verschont blieb. — Stägemann ist überhaupt kein sonderlicher Judenfreund. Da er seinem Freunde Benzenberg 1826 die Begründung der Berliner Literaturzeitüng meldet (a. a. 0 . 464) fügt er hinzu : »Der Hauptredakteür wird der Professor Gans vom Stamme Juda. Doch werden tüchtige Leute als Mitarbeiter genannt«.

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