Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden in Nordafrika bis zur Invasion der Araber
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 30)
- Language
- German
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Die Juden in Nordafrika bis zur Invasion der Araber. 51 Lehrhäuser nicht teilnahmslos gegenüberstanden. Die Juden Cyrenaicas standen in den letzten Jahrzehnten vor dem Untergänge des jüdischen Staates zu ihrem Mutterlande in lebhafter Beziehung. Juden aus Cyrene kamen öfter nach Jerusalem, wo eine Synagoge der Cyrenäer existierte1 2). Die Tempelsteuer wurde von ihnen gewissenhaft nach Jerusalem abgeführt, und die Versuche der städtischen Kommunen, sie daran zu hindern, betrachteten sie als ein großes Unglück, das sie unter allen Umständen abzuwenden bemüht waren8). Aber auch nach der Zerstörung des Tempels wurden die Tempelgelder noch längere Zeit an das Patriarchat in Palästina abgeliefert, welches zur Ein- Sammlung dieser Gelder alljährlich Sendboten (apostoli) aussandte3). Diese apostoli mögen öfter Gesetzeskundige gewesen sein4 * * *), die, wie R. Akiba, nach Afrika kamen und das Gesetzesstudium dorthin verpflanzten. Daß ihnen ferner auch die griechisch-römische Kultur und Bildung nicht fremd geblieben waren, beweisen die Inschriften in griechischer und־ lateinischer Sprache, welche sogar in die Synagogen Eingang gefunden, und die Aufstellung der Berenice-Inschrift an einem der vornehmsten Plätze des Amphitheaters läßt darauf schließen, daß sie auch da keine seltenen Gäste waren. Endlich zeugen von ihrem Ku n sts i n n und:vielleicht auch von ihrer Kunstfertigkeit die künstlerischen Aus- Schmückungen in dem Mosaikfußboden der Synagoge von L) Ev. Matth. 27, 32. Marc. 15, 21. Luc. 23, 26. Apost. Gesch. 2, 12. 6, 9. ' * - 2) Joseph. Antt. XVI, 6, 5. Vgl. oben S. 26. 3) Schürer III, 77. ' ' *) Darauf weist hin die Bekanntschaft mancher Gesetzeslehrer mit den rohen Sitten der Berbern. In Sifre (5, Mos. 32, 21) werden die Leute der Berberei und von Mauretanien (אנשי ברברי״א ומורטניא) erwähnt, die nackt auf den Straßen herumgehen. Vgl. auch Pesikta di R. K., cap. 15. Sachs, Beiträge zur Sprach- und Altertumskunde, Heft 1, p. 22 f. 4*