Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 1)
- Language
- German
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120 Besprechung. Freudenfha! }. Spinoza, sein Leben und seine Lehre. Erster Band: Das Leben Spinozas. Stuttgart, Fromman, 1904. XV. u. 349 SS. 8°. Dürftig, wie die zuverlässigen Nachrichten darüber, waren bis vor nicht gar zu langer Zeit, auch die Darstellungen des Lebens Spinoza’s. Erst die Bemühungen holländischer Gelehrter um die Vervollständigung der Briefsammlung, die Auffindung neuer Documente, die Nachforschungen über die Männer, mit denen der Philosoph Ver־ kehr unterhielt, haben auf den Charakter und die Lebensschicksale Spinozas ein reiches Licht geworfen; insbesondere hat MeinsmaV »Spinoza en zijn Kring« eine Fülle neuer Aufschlüsse gegeben. Dann hat Freudenthal ein Jahrzehnt lang in unverdrossener emsiger Arbeit neues Material zur Lebensgeschichte Spinozas gesammelt und das alte einer eingehenden Kritik unterzogen, ln seiner »Lebensgeschichte Spinozas« hat er durch die regestenartige Anordnung des Materials eine feste Grundlage für jede künftige Biographie des Philosophen geschaffen. Als reife Frucht all der langjährigen Studien liegt uns nunmehr der obige Band vor, der ein lebensvolles und anziehendes Bild des Mannes giebt, der aufs tiefste geschmäht und aufs höchste gepriesen wurde, und so lange darauf warten musste, bis auf ihn selbst angewandt wurde, was er selbst als Richtschnur vorgezeichnet, dass man die Taten der Menschen nicht rühmen und nicht verdammen, sondern verstehe n müsse. Eine solche Würdigung ist Spinoza jetzt durch Freudenthal zuteiL geworden. Mit gleicher Liebe und gleicher Meisterschaft ist der Stoff nie behandelt worden. Und nie ist er durch die Form der Darstellung auch einem weiteren Publikum so nahe gebracht worden. Der »langwierigen Kärrnerarbeit«, die der Verf. vorher dem Werke gewidmet hat, danken wir es, dass wir nunmehr eine ganze Reihe von neuen Gesichtspunkten und neuen Resultaten verwertet finden, ohne dass durch gelehrte Detailforschung und wissenschaftliches Beiwerk die Aufmerksamkeit des Lesers vom Gegenstand abgezogen wird. An dem zahlreichen Material, das der Verf. zum ersten Male zugänglich gemacht hat, ist die jüdische Geschichte lebhaft interessiert. Bereits bei der Besprechung des vorbereitenden Werkes habe ich an dieser Stelle auf die Fülle neuer und wichtiger Belehrungen hingewiesen1) ף Monatsschrift XLIII, 1899, p. 329 ff.