Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Eine Confrontation zwischen Glückel Hameln's Memoiren und den alten Hamburger Grabbüchern
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829789-2845958--33453-2846074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
98 Eine Confrontation. vorzuführen, die uns, zum grossen Teil unter anderen Namen, wohlbekannt sind1). Wer denkt nicht, wenn diese Listen ihm zu Hand kommen, sofort daran, die Familienmitglieder und Bekannten Olückel Hamelns aufzusuchen? Ist doch von Grunwald selbst der erste Abschnitt seines Buches als »das Zeitalter der Glückei Hameln« bezeichnet. Die Confrontirung der Grabschriften mit den Memoiren Glückeis (ed. Kaufmann) wird uns einerseits die Möglichkeit geben, die Genauigkeit der liebenswürdigen Schriftstellerin zu prüfen und wird uns andererseits die dort vorkommenden zahlreichen Persönlichkeiten gewissermassen näher bringen, indem wir neue Daten für sie in den Grab- Schriften finden. Ohne eine Vollständigkeit anzustreben, l) Ein Beispiel: In Jacob Emdens Autobiographie (מגלת ספר ed. D. Cohen) wird oft der angesehene יואל שוא genannt. Grunwald nennt ihn S. SO in seiner Widergabe von Emdens Mitteilungen: Joel Schwa (Kaufmann, diese Monatsschrift 1897, S. 426 hat schon das richtige : Schuh). In den Steuerlisten S. 190, Nr. 736, vergl. auch S. 191, Nr. 1 und S. 203, Nr. 901, heisst unser Mann Joel Salomon. In der Aufstellung der Familiennamen S. 227 finden wir Schuh richtig aufgenommen, dabei aber irrtümlich gefragt, ob vielleicht Abkürzung von »Schulhof« oder »Schüttershofen [!]« Jetzt finden wir endlich S. 296 Nr. 3932 (3110) unter dem Stichnamen Schuh: Joel b. Salomon (aus Frankfurt a. M.). Es ist jetzt möglich Joel Salomon zu identificiren und sein Name ist leicht zu erklären. Schuh war das Namensschild eines Hauses der Frankfurter Judengasse und daher Stammname. In Frankfurt sprach man nach oberdeutscher Art Schuch, wie in der alten Juden-Stättigkeit vorkommt; hebräisch transcribierte man שוך. Der Vater unseres Joel ist vielleicht der in den Frankfurter Grabschritten, ed. Horovitz, Nr. 1767 vorkommende שלמה שוך, gest. 1721. (Der Name שוך ist übrigens auch von Horovitz oft verkannt worden). Wir finden sogar diese Frankfurter Aussprache einmal in den Hamburger Grabschriften bewahrt; S. 299, Nr. 4067 (3170) wäre der Vater der Sara Stern nicht Joel Schich zu nennen, sondern Joel Schuch. Nr. 2011 heisst er Jokel, Nr. 3306 Schul. Bei diesem oft genannten Manne lassen sich die Fäden entwirren, bei weniger bekannten, die ja für Familiengeschichte ebenso interessant sein können, wird es schwieriger fallen.