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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 1 · p. Seite 11

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 1
Article
Raschi und Maimuni
Date
1905-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Raschi und Maimuni. 11 auf Maimuni, den Rabbi Moyses Aegyptius, beriefen und ihn bei Erörterungen religiöser Fragen zu Rate zogen; dass im 14. Jahrhunderte ein Landsmann Raschi’s, Nicolaus de Lyra, durch die Bibelexegese Raschi’s den einfachen Sinn der biblischen Texte kennen lernte, Lyra seinerseits aber vom grössten Einflüsse auf die gewaltigste Waffe der Reformation, die Bibel Martin Luthers war, so dass man von ihm sagte: »si Lyra non lyrasset, Lutherus non saltasset« hätte Lyra nicht Musik gemacht, so hätte Luther nicht getanzt. Raschi und Maimuni! Diese beiden grossen Gestalten unserer Vergangenheit betrachten wir nicht nur mit dankbarer Würdigung, indem wir sie uns vereint ins Gedächtnis rufen, sondern wir schöpfen aus dieser doppelten Erinnerung auch Trost und Beruhigung angesichts der beängstigenden Zustände unserer Gegenwart. Wenn wir sehen, dass die Vertreter zweier so sehr von einander verschiedener Richtungen auf gleiche Weise von der Nachwelt als Meister des Judentums verehrt und bewundert werden, dürfen wir daraus die Lehre ziehen, dass nicht die geistige Gleichförmigkeit die Einheit des Judentums ausmacht, und dass auch die verschiedensten Riehtungen neben einander bestehen können, wenn sie nur auf dem Einen Fundamente beruhen, der ihre Gemeinsamkeit sichert. Darin, dass dem Andenken Raschi’s und Maimuni’s unterschiedlos jeder huldigt, der sich seiner Zugehörigkeit zum Judentum bewusst ist, wohin er auch sonst in seiner Weltanschauung und seiner religiösen Denkweise sich neigen möge, darin dürfen wir eine Gewähr dafür finden, dass die Einheit aus Israel nicht geschwunden ist — und auch darum sei das Andenken Raschi’s und Maimuni’s gesegnet!

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