Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 19)
- Language
- German
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20 Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilosophie. ein ärgerlicher Streit auch durch unsere Reihen, der zumal in der heutigen Zeit der Bedrängniss sehr betrübend ist. Aber aus der Bedrängniss heraus wird freilich auch der Streit selbst in milderem Lichte erscheinen. Man wacht ängstlicher und eifriger über die Erhaltung eines Gutes, wenn es von schweren Gefahren bedroht wird. Es giebt nun kein anderes Mittel, die Alten und die Neuen imjudentume innerlich zu verbinden, als welches in den geistigen Gütern des Judentums selbst gelegen ist. Die Alten hüten und pflegen das rabbinische Schrifttum, dessen innerem Leben die Neuen entwachsen sind. Mögen sie daher in der Förderung des literarischen Gutes den Alten die Hand reichen; dass die Kenntniss und das Studium, das ganze innerliche Studium des rabbinischen Schrift־ tums nicht aufhöre in Israel; dass die Quellen nicht versiegen, aus denen sich in der ganzen bisherigen Geschichte stets von Neuem das jüdische Leben und Denken gekräftigt, gerüstet, beseelt hat. Einen Teil dieses Schrifttums aber bildet die Religionsphilosophie. In ihr treten die Satzungen zurück hinter die Ideen. Je mehr in dem Gottesdienste der Neuen die Ideen den Vorrang gewinnen über die Satzungen, desto grösser, desto dringlicher wird für sie die Verpflichtung, alle Kraft der wissenschaftlichen Arbeit auf die Ideen zu lenken. Hier soll man nicht glauben, bei homiletischen Gemeinplätzen es bewenden lassen zu dürfen; gerade die Predigt bedarf der Vertiefung und der Belebung durch die Tdeen, die nicht etwa eine abstracte Verödung, sondern eine Vergeistigung, eine Verinnerlichung herbeiführen, wie solche immer die natürliche Folge wahrhafter Erkenntniss ist. Mit aller Demut muss man an diesem zarten Punkte Selbstkritik an sich üben lernen, aus Ehrfurcht vor der Sache, vor dem unerschöpflichen Werte unserer Ideen. Und wenn dieser wissenschaftliche Eifer aus den Werken und aus den Taten der Neuen sprechen wird, dann wird