Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 18)
- Language
- German
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Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilosophie. ] Q Auch hier kann uns schon das Beispiel unserer Alten leiten; und vor dem Vorurteil schützen, als ob diese Forderung nicht zu befriedigen wäre. Sie haben Logik und Mathematik in ihren Grundlegungen der Dogmatik und der Ethik herangezogen; sie haben die logischen Prinzipien der mathematischen und der Naturerkenntniss gründlich erwogen; und sie haben auch die andersgläubigen Autoren neben Talmud und Midrasch eingehend berücksichtigi Wenn in dieser lebendigen, das allgemeine Leben der Kultur beachtenden Gründlichkeit und Unbefangenheit die jüdische Glaubenslehre wieder gelehrt werden wird, dann werden Werke entstehen, die sich in der Christliehen Welt die Achtung erzwingen werden♦ Die Wahrheit braucht nicht betteln zu gehen; es kann ihr der Weg sehr schwer und sehr sauer gemacht werden; endlich aber muss sie doch zur Anerkennung kommen. Dem messianischen Gemüte geziemt kein kleinmütiger Pessimismus. Dieser geschichtlichen Anerkennung gemäss wird aber auch von solchen wissenschaftlichen Arbeiten aus das allgemeine geistige, ja auch das politische Ansehen unserer Sondergemeinschaft ein ganz anderes werden. Es muss alsdann die Meinung verschwinden, als ob wir in eine Sackgasse geraten wären, und uns nun aus einem gewissen anerkennenswerten Ehrgefühle in einem Schmollwinke! festgelegt hätten. Man wird dann den Kulturwert des Judentums, seiner Gottesidee und seiner Ethik, seiner Ethik auf dem Grunde seiner Gottesidee begreifen lernen und dankbar anerkennen. Dann bedarf es keiner Duldsamkeit mehr für unsere Absonderlichkeit; die Toleranz wird eine Consequenz der theoretischen Kultur werden. Nur einige Gedanken sollten hier ausgesprochen werden, um den Antrag zu begründen, von dessen Ver~ wirklichung ein neuer Aufschwung des religiösen Denkens und Lebens im Judentum erhofft werden darf. Es geht 2*