Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
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9« Besprechung. grosser Theil der alexandrinischon Juden mit ihrer Logoslehre schlug״ (S. 156). 4. Cap. Kampf desP atriarchats gegen das Eindrin gen polytheistischer Idoen in die Gelehrtenkreise des paiiis ti nen sisc hen Judentums. Hier wird nun ohne weiteres als bewiesen angenommen» dass unter Minim immer alexandrinische Juden und Auhänger der Logoslehre verstanden werden. Der Kampf, der im Talmud gegen die Minim geführt wird, ist nach dem Yerf. ein Kampf gegen die ״polytheistischen“ Ideen der alexandrinischen Ilaligionspliilosophie. Alle Talraudstollen, in denen von den שתי רשויות, dem Metatron etc. die Rede ist und gewisser kosmogonischer Lehren Erwähnung geschieht, werden auf die alexandrinische Philosophie bezogen und als Ausflüsso der Logoslehre erklärt; und die Gelehrten, von denen dergleichen Aeusserangoa oder agadische Erklärungen im Talmud Vorkommen, werden als Anhänger des Alexandrinismus, als ״Logosgläubige“, hingestellt. Nachdem *ich zur Genüge gezeigt habe, welcher Art die Prämissen sind, die der Theorie des Verf.’s zu gründe liegen, und was für Beweise er anzuführen im Stande ist, habe ich wohl nicht mehr nötig, auf die Einzelheiten dieses Capitels weiter einzugehen. Um nur noch ein Beispiel dafür anzuführen, dass der Yerf. mit seiner Interpretationskunst Alles fertig bringt, weise ich auf S. 225—227 hin, wo R. Simon ben. Lakisch als der Logoslehre zugetan bezeichnet wird, weil er das Bibelwort ורוח אלהים מרחפת על מני המים deutete: י.זה רוחו של מלך המשיח In einem Anhang (S. 253 IT.) wird ausgefiihit, dass der Streit des Maimonidos mit den Kabbalisten nichts anderes sei, als eine Fort* Setzung des Kampfes, den das Patriarchat gegen die Minim führte, und dass die Grundlehren der Kabbalistik mit der alexandrinischen Logoslohre identisch seien. Auch der saloppo Stil und die nachlässige Ausdrucksweise machen das Buch zu einer wenig erfreulichen Lektüre. ״Eine Besinnung macht sich Platz“ (S. 12), ״die oft vorkommendste“ (S. 58), ״sieh eine lebenslängliche Krankheit wählte“ (S. 202), ״durfte keine Intercalation . . . * unter keinen Umständen vornehmen“ (S. 224) sind nur ein paar Beispiele unter vielen. Die Correctur lasst Alles zu wünschen übrig: die griechischen Citate strotzen von Fehlern, selten ist ein Wort richtig gedruckt. Häufig hat man den Eindruck, als ob der Druck überhaupt nicht corrigiert wäre; andernfalls bleiben Fehler wie ״Vereinigung des Occidents und mit dem Orients“ (S'. 182) oder ״hat beim Niedersehreiben . . . sich nichts weiter dabei gedacht“ (S. 241) unbegreiflich. Falsche Satzconstraktionon begegnen nicht selten: vgl. S. 139. 141 Anm. 104. 203. 204. 2S8; es bedarf bisweilen einer Conjektur, um Sinn in einen Satz hineinzubringen. Ich kann zum Schluss mein Urtheil nur dahin zusammenfassen, dass der Yerf. sich an eine Aufgabe heran gewagt hat, der er bei seiner geringen Kenntnis des Quellenmatorials und der;Litteratur und in Folge des Mangels an methodischer Schulung nicht gewachsen war. Breslau. ״ ’ Leopold Cohu. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt* Für die R&d&ction verantwortlich: Dr. M. Braun, Breslau. Druck von Adolf Alk&lay & Sohn, Pressburg.