Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 Besprechung. <ler Logoslehre, auf das talnmdi8cho Schrifttum. Der Verf. ist der Meinung, dass die Logoslehre, die״ Lohre von den Mittelweson zwischen Gott und der Welt, frühzeitig in dio palästinische Agada Eingang gefunden habe und dass der Kampf des Patriarchats gegen die Minim ein Kampf gegen das Eiudringen aloxandrinischor Ideen in die Gelehrtenkreise des palästinischen Judentums war, ein Kampf, der seine Fortsetzung gefunden habe in der Bekämpfung der Kabbalistik durcdi Maimonides. Dieses Ergobnis bringt der Verf. dadurch zu stände, dass er dio Minim für AnhUngor der alexandrinischen Logoslehre erklärt und alle gegen den roinon Monotheismus verstossendon Lehren, die in den talmudischen Schrifton erwähnt worden, auf dio Logoslohre und die Philonisclio Lohre von der Weltschüpfung zurückführt: so dio Lehre von den שתי רשויות, die stark ausgobildete Angelologie und dio Lohre von oinem obersten Engel als Vermittler zwischen Gott und den Menschen und als eigentlichem Schöpfer und Lenker der Welt, dem שד הפנים oder Metatron. Der Gedanke von der Beeinflussung dos palästinischen Midrasch durch dio Phiionische Keligionsphiiosophio ist nicht so neu, wio ihn der Verf. hinstellt. Man hat schon früher von dem Einfluss Philonischor Ideen auf dio Ausbildung der Lehre von den שת' רשויות und dem Metatron in Midrasch und Kabbala gesprochen, man hat auch schon dio Minim mit Anhängern der alexandrinischen Schriftauslegung zusammongebraoht und die Vermuthung geäussort, dass unter ספרי מידם im Talmud Schriften alexandrinisehor Juden gemeint seion. Aber man hat zugleich darauf hingewiesen, dass der Einfluss ein gegenseitiger war, dass Philo in seiner allegorischen Bibelerklärung sich vielfach an die palästinische Agada anlehnte, die in Alexandrien nicht unbekannt war, und dass auch der Logos Züge enthält, die an Vorstellungen des palästinischen Judentums aiiknüpfen. Ueber alles dies hätte der Verf. sich z. B. aus Siegfried (Philo von Alexandria als Ausleger des Alten Testaments, S. 209 iV. 281 fl*,) belehren können. Aber die frühere Litteratur über diesen Gegenstand ist für ihn so gut wie nicht vorhanden, er ignoriert, was Amiero gedacht und in gelehrter Forschung gefunden haben. Das zeigt sich namentlich auch in einigen kurz hingeworfenen Behauptungen, die den Ergebnissen der heutigen-Wissenschaft schnürstracks zuwiderlaufen. So ,wird S. 50 (u. 04) vom HebriierbriAf behauptet, dass er ״allon Anzeichen nach . . . von einem alexandrinischen*' Juden für seine Landsleute vörfatJs&^ürde“! S. S1 wird von den Verfasserndos Johannos-Evangeliums und des (2.) Korintherbriefes gesagt: ״Es ist fast über allen Zweifel erhaben, dass diese beiden Verfasser sowie der Verfasser des Ilebräerbiiefes alexandrinische Juden waren“! S. 131 lesen wir den verblüffenden Satz : ״Dass alle ursprünglich griechisch peschriebonen Schrifton, die sich an den Kanon anlehnen und jüdische Dogmen, Ueberlieferungon oder Weissagungen (sic) Aegypten oder dessen Umgobung zu ihrem Heimatland© haben, ist eine längst ausgemachte Thatsache“. Und gemünzt ist dieser Satz auf das Buch Henoch und das Buch der Jubiläen, dio beide nach allgemeiner Annahme in Palästina entstanden sind und in ihrer Grundschrift hebräisch (bezw. aramaisch) abgefasst waren. Als besondere Merkmale, die den ägyptischen Ursprung des JubilUen-Bucheß bekunden sollen, werden dann die folgenden angeführt: -1. ^Die' Angelologie ist dort stark ausgebildet.. . was sehr an die griechische Volksreligion (!) und dio Phiionischen \601ך, erinnert“. 2. ״Das Hervorheben und die Heiligsprechung der Zahl sieben, die bekanntlich (!J in Aegypten, bei den Pythagoreern und auch bei