Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 1)
- Language
- German
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38 Das Judenthum im neutestamentl. Zeitalter in christl. Darstellung. Bas 3ndenH1am in neviestamattictien Zeitalter in christlicher Barstellang. Von Dr. M. Güdemann. I. Als ich vor mehr als vierzig Jahren den seligen Movers in Breslau darüber vortragen hörte, wie die jüdischen Schrittgelehrten die Tephillin anlegten, fragte ich mich im Stillen : ״Warum hat der gute Mann .sich das nicht von dem ersten besten Juden einmal vormachen lassen?״ Er hatte es offenbar nie mit eigenen Augen gesehen. So wenig entsprach seine Darstellung dieser rituellen Verrichtung. Eine ähnliche Frage drängt sich dem mit seiner Religion und den Grundschriften derselben einigermaßen vertrauten Juden angesichts der von christlichen Gelehrten gegebenen Darstellungen des Judenthrnns im neutestamentliehen Zeitalter auf. Auch die neueste, von Bousset1), mit der ich mich hier vorzugsweise beschäftigen will, und von der ich sagen muss, dass ich sie über alle früheren Arbeiten dieser Art stelle, drängt mir nichtsdestoweniger diese Frage in die Feder. Einige Stichproben mögen daribun, was für ein dunkles Bild B. von den Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter entwirft. Dabei muss ich vorausschicken, •*dass er den Schatten auch Lichter auf* setzt. Immerhin sind die Urtheile charakteristisch. Ich wähle mit Absicht solche Stellen aus, die nicht das Aeusserliche, sondern den Kern, das Wesen der Religion und Frömmigkeife betreffen. Von der jüdischen Ethik sagt B. S. 118: ״Es fehlt ihr der heroische Charakter, der Elan, der bergever״ setzende Math", Er bezichtigt sie ״des Mangels an Wahrhaftigkeit“, und fährt fort: ״Keine andere Untugend des jüdischen Volkes und speciell seiner frommen Kreise hat Jesus 80 scharf und grimmig bekämpft, wie die Unwahrhaftigkeit, die Heuchelei und das Schoinwesen״. Von der jüdischen Frömmigkeit sagt B. S. 351: ״Ihre überall hervortretende Gr und Stimmung ist die Furcht, die scheue zitternde Angst. Es ist die Stimmung, die in den Anfangsworfeen des späteren täglichen Gebets des Judentum® unübertrefflich zum Ausdruck kommt: ״Gott unserer Väter ........ grosser, mächtiger, furchtbarer Gott, allerhöchster Gottu. S. 352: *) Die Religion des Judeathums im neufce&tam entliehen ZeitJtor. Berlin 1903. .