Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829768-2829770-2845747--31786-2845774- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. 7 dass diese interessanten Mordgeschichten sich ungleich schöner anhören als die trockenen Erzählungen der Bücher Esra und Kehemia. Denn dass Winckler die Berichte dieser Bücher gar nicht oder nur in verschwindend geringem Maassc verwerthen konnte, ist selbstverständlich. Es würde den autheutischen Berichten über den deutsch-französischen Krieg vom Jahre 1870—71 bei Einem, der es unternehmen würde, die Geschichte dieses Krieges aus den Documenten des .,siebenjährigen Krieges״ zu erzählen, nicht um ein Haar breit anders ergehen könpen. Wincklers Untersuchungsmethode macht joden Commentar überflüssig; denn 8io richtet sich selbst. Selbst N o w a c k, heute der Wortführer der radiealen Exegese, sagt1) (Deutsche Li ttcraturzei tu rig vom 2f>. Januar 1902) : ״dass die von Winckler geübte Kritik zur Discreditierung der Kritik überhaupt führen und uns eine starko Reaction bringen wird, unterliegt mehr keinem Zweifel. Was würde aus der griechischen und römischen Geschichte, wenn wir nach dieser Methode deren Quellen bearbeiteten und verwendeten? Den Fachgelehrten waren die Winckler’schen Yermuthungen, die durchaus unabhängig von jedem historischon Documente combiniert sind, freilich schon seit Jahren aus seinen früheren Werken bekannt. Heute ist nur noch Mnzugekommen, dass diese echte Waare unter der berühmten Firma Schräders auch bei den Laien Absatz sucht. Welche Meinung muss hiernach der gebildete Laie, der nicht Orientalist vom Fache ist, von der ״orientalischen Wissenschaft״ überhaupt bekommen? Und wie wenn er noch dazu in der Vorrede dieses WinckleFschen Buches die Versicherung liest: ״dass der Verfasser bemüht war, nach Mögiichkeit nur die wirklich gesicherten Res ultäte vorz!liegen״? Enthält die von uns hier wiedergegebene Entwickelungsgeschichte der babylonischen Gemeinde in Jerusalem in der That wirklich gesicherte Resultate? *) In ähnlichem Tone aber in noch viel drastischerer Darstellung wird Wincklers exegetische Methode von dem ebenfalls radiealen Bibelforscher Prof. Budde in seinom unlängst erschienenen Sckriftchen ״Das A. T. und die Ausgrabungen*, Giessen, 1908, gründlich beleuchtet. Vgl. anch׳ Baentsch im Literarischen Centralblatt vom 21. Februar 1903. — Beim Durchlesen der Wincklerschen Bibelforschungen fällt die grosse Analogie zwischen dieser Forschungs-Methode und derjenigen des Verfassers der ״Grundlagen des XIX. Jahrhunderts41 besonders auf. Dass daher Wincklers Darstellungsweise der israelitischen Geschichte von Cham-