Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Der hermeneutische Syllogismus in der talmudischen Litteratur
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2829760-2829762-2845623--31137-2845696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der herme neu tische Syllogismus in der talmudischen Litteratur. 53 Ser hermeneutische Syllogismus in 9er talumdischea £itterat!r. Von Dr. B. WaelisteiiL Die Compliciertheit des Lebens erzeugte im nachbiblischen Judenthmn das Bedürfniss nach einer Erweiterung der legislativen Normen. Der biblische Codex erwies sich im Laufe der geschichtlichen Entwicklung als zu knapp für die Fülle der Eälle, die durch die totale Veränderung der staatlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Untergänge des ersten Beiches herbeigeführt wurden. Es galt nun, neuen Wein in die alten Schläuche zu giessen, aus dem alten Bibelworte Gesichtspunkte für die Beurtheilung der modernen Praxis zu gewinnen, oder umgekehrt die neuen Gesetze durch das einzig und allein autoritative Bibelwort zu sanctioniren. Es wurden deshalb in der späteren Zeit Interpretationsregeln angewendet, mittels welcher man aus dem Bibelworte neue Bestimmungen ableitete. Es ist dies ein Schlussverfahren, mittelst dessen man im Wege der Subsumption, der Analogie 11, dgl. Y0n dem Bekannten auf das Unbekannte neu zu Statuirende schliesst. Die Logicität dieser Deutungsregeln ist eine verschiedene. Schon die Alten ziehen scharfe Grenzen zwischen der einen und der anderen Deutungsregel und bestimmen Anwendbarkeit und Geltungsbereich einer Deutungsregel auf Grund ihres logischen Gehaltes. Als die erste Deutungsregel gilt der sogenannte Qal wachomer (Q). Adolf Schwarz, der vor 3 Jahren eine Arbeit über den Analogieschluss im Talmud geliefert hat, widmet nun eine eingehende Arbeit*) der Erforschung des Q. Er sucht zunächst die Hauptphasen zu beleuchten, durch welche der Q in seiner historischen Entwicklung gegangen, um dann seine eigene Q-Theorie aufzustellen. Um jedoch die Unzulänglichkeit der traditionellen Q-Auffassung nachzuweisen, muss er sich zuerst mit allen seinen Vorgängern auf diesem Gebiete ausein andersetzen. So Yerlockend es nun ist, ihm auf diesem seinem Wege zu folgen — die glänzende Dialectik des Verfassers erleichtert diesen Schritt — die Fülle von neuen Gesichtspunkten in entwickeluagsgesehichtlicher und textkritischer Hinsicht liervorzuhebeD, viele Einzelheiten zu berichti« gen, andere in ihren Folgerungen zu. bestreiten, wollen wir hier bloss die Theorie selbst, und diese auch nur in grossen Zügen besprechen. *) Der lieraieneutisclie Syllogismus in der talmudischen Litteratur, Karlsruhe, bei Bielefeld, 1901, 8. 192 SS»