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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1902) · p. Seite 48

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1902)
Article
Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
Date
1902-01-01
Page
Seite 48 (sequence 48)
Language
German
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48 Die neueste Construction de* jüdischen Geschichte. schoben werden, und die Gelehrten der Orthodoxie erhoben nicht laut ihre Stimme, um energisch gegen sie zu protestieren, — bekanntlich haben sie es nicht gethan — dann fehlte ihnen entweder das nöthige Wissen oder der nöthige religiöse Ernst. Es ist ferner eine bedenkliche Selbsttäuschung zu meinen, dass geschichtliche Forschung die Anschauungen der Orthodoxie fördern können; das eigenthümliche System der Versteinerung, das sie in Deutschland sich schuf, kann nur durch Trugschlüsse aufrecht erhalten werden, deren leichter״ weisbare Haltlosigkeit dem religiösen Empfinden unabsehbaren Schaden bringt. Die Thatsachen der Geschichte, nicht die Forscher, sind es, in denen die ״destructive Tendenz״ liegt, die Ereignisse der Vergangenheit lehren, dass auch in religiösen Dingen gewisse Anschauungen und Formen nach den Zeiten und Ländern, nach den politischen und socialen Verhältnissen sich verändern. Wer eine Tendenz verfolgt, sie sei conservativ oder destructiv, dem wird die Geschichte ihre Geheimnisse n i e enthüllen, wer׳־ voreingenommen irgend welche Quellen unbeachtet lässt, wird zuverlässige Kenntnis der Vergangenheit nie erreichen. Echte Wissenschaft hat, tiefe Ehrfurcht vor den Ueberlieferungen der Vergangenheit zur Voraussetzung; innere Wahrhaftigkeit und strengste Gewissenhaftigkeit bilden ihre Grundlagen, Erforschung der Wahrheit ihr Ziel. Von ihr gilt heute und immerdar die meisterhafte Charakteristik, die Zacharias F rankel von der ältesten wissenschaftlichen Thätigkeit im Judenthum entwarf1): ״Eine unbegrenzte Hochachtung des göttlichen Gesetzes bildet allenthalben die Basis; doch fühlt nichtsdestoweniger die Forschung ihre Berechtigung. Die Forschung sucht Verstandn i s 8, und sie geht hierin von der grössten Glaubenstreue und Glaubensanhiinglichkeit aus, darum ist ihr Verständniss, was es immer bringe, . . , das richtige, in der Schrift begründete“. ג) lieber palästinische und alexandrinische Schriftforschung, Breslau 1854, p. 12.

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