Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 45 (1901)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das hebräisch-persische Wörterbuch des Salomo ben Samuel
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 2)
- Language
- German
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76 Das hebr.-pers. Wörterbuch des Sal. b. Sam. Juden in einer von Türken bewohnten Provinz des ungeheuren Mongolenreiches, die im vierzehnten Jahrhundert dem Studium der heiligen Schrift und der Traditionslitteratur eifrig oblagen und sich deren Inhalt klar zu machen bemüht waren. Das neue Litteraturerzeugniss, von welchem uns nach den vorhandenen vier Handschriften aus der Petersburger Bibliothek und der Privatsammlung Elkan Adlers in London reichliche Proben mitgetheilt werden, gewährt einen sehr interessanten Einblick in das Geistesleben dieser vom Schauplatz der Weltereignisse so weit entlegenen Judenschaft. In der uralten Stadt Gurgäng, arabisch Gurgänija, türkisch Gurgeng oder Urgeadsch, die am Ende des zehnten Jahrhunderts die Hauptstadt des chorasanischen Theils der Provinz Chwärism war und noch heute der grösste Ort des Chanats Chiwa in Russisch-Turkestan und der Wohnsitz zahlreicher nach Russland, Persien und Afghanistan Handel treibender Kaufleute ist, vollendete am Montag, den 7. Juni 1339 Salomo b. Samuel sein gross angelegtes hebräisches Wörterbuch, in welchem in einheitlicher alphabetischer An- Ordnung der Wortschatz der Bibel, des Targum, der talmudisch-midraschischen Litteratur und einiger anderer Schriften vereinigt ist. Ueber die Lebensverhältnisse des Verfassers erfahren wir leider nur sehr wenig aus seinem Buche. Von seinen persönlichen Erlebnissen erzählt er gelegentlich nur, dass er im Lande der Uiguren und Chataien buddhistische Tempel gesehen und von dem dortigen Tempelritual einige Kenntniss erhalten hat. Auch über die Zustände der jüdischen Gesammtheit seines Heimatslandes finden sich nur einzelne leise Andeutungen. Die herrschenden Mongolen gönnten den jüdisehen Unterthanen volle Glaubensfreiheit und störten sie nicht im Studium ihrer nationalen Litteratur. Aber schon die blosse Thatsacke, dass ein Werk wie dasjenige Salomo b. Samuels damals in dieser Gegend entstehen konnte, legt, wie Bacher mit Recht hervorhebt, Zeugniss ab für den Bildungsgrad und die geistigen Interessen der Gemeinschaft, zu deren Belehrung das Buch verfasst ist. Salomo b. Samuel selber erscheint darin als ein nach vielen Richtungen hin ausserordentlich kenntnisreicher Mann. Er beherrschte das Persische, welches wahrscheinlich seine Muttersprache war, vollkommen und verstand Arabisch, wie es scheint, fast ebenso gut. (S. 17). Hebräisch schrieb er im Allgemeinen correct