Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Verbotene Thargumim
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Verbotene Thargumim. Yon Rabbiner Dr. M. Ginsburger in Siüz (Ob. Eis.) Es ist in der tlialimidischen Litteratur naebrfacli Y0n gewissen Bibelstellen die Bede, deren Interpretation nicht ohne weiteres gestattet war. Dabei können wir sogleich zwei verschiedene Gattungen unterscheiden; es sind zunächst solche, bei denen nur eine bestimmte Auffassungs- oder genauer TJebersetzungsweise untersagt wird, und dann solche, die überhaupt nicht übersetzt werden durften. Betrachten wir zuerst die letztere Gattung, so finden wir: I. Die That Reubens darf gelesen aber nicht übersetzt werden (in der Synagoge, da wir befürchten, man könnte ihn schmähen. Raschi.) Meg. IY, 10. Die Stelle, um die es sich hier handelt, ist bekanntlich Gen. 35,22. Nun aber heisst es babli Sabb. 55b: ״Es sagt R. Samuel b. Nachmani i. N. des R. Jonathan: Wer sagt, Reuben habe gesündigt, irrt, denn es heisst (ib.): ״Es waren der Söhne Jakobs zwölf“, das will lehren, dass alle gleich geachtet waren. Doch wie erkläre ich die Worte: ״Reuben beschlief Bilhah, das Kebsweib seines Vaters“? das will sagen: er brachte das Lager seines Vaters in Unordnung, und das rechnet die Schrift ihm an, wie wenn er ihr beigewohnt hätte.“ Diese haggadische Erklärung ist fast wörtlich in das Pseudo-Jonathan’sche Thargum aufgenommen worden, doch können wir mit Sicherheit behaupten, dass die ursprüngliche Mouatschrift. 44. Jaln-gang. 1