Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1896)
- Article
- Ein Hochzeitsepigramm Juda Halewi's
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 44 (sequence 2)
- Language
- German
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44 Eia Hochzeitaepigramm Juda Halowi’s. in Einer Person darstelle? Harka.vy hat darum in seinen Anmerkungen zu diesem Gedichte (Diwan, Ed. Achiasaf I, 215) die Vermuthung ausgesprochen, הדם bezeichne den Bräutigam, neben dem die Sonne Hadassa fortan zu thronen sich curschlossen habe, fügt aber, von dieser Deutung selber nicht befriedigt, die Möglichkeit hinzu, dass hier von dem Trauhimmcl die Rede sei, unter den jetzt die Braut tritt. Aber keine dieser Erklärungen vermag die .Schwierigkeiten hinwegzuräumen, die den Schluss dieses kleinen Kunstwerks so cmpfindlich entstellen, ja zerstören. Die Angel, in der das ganze Epigramm sich dreht, hänc aber längst darauf führen müssen, worin die Heilung dieses offenbaren Schadens zu .suchen ist. Die Sonne hat eine Nebenbuhlerin gefunden, sie braucht nicht mehr am Himuml aufzugehen und uns zu leuchten, seit die Reihe an die Tochter A.bichaiTs gekommen ist, die mit dem Glanze ihres Antlitzes die Sonne beschämt und die Himmelskörper, die ob ihrer Schönheit in Verwirrung gerathen, in ihrem "Werke stört. Aber wo gäbe es eine Sonne, die keine Sphäre hat, die ohne Firmament die Welt beleuchten will? Darauf antwortet unser Epigramm: Jawohl, die neue Sonne mag nicht langer unter den Himmelssphären Wuhnen, sie zieht es vor,- die ־־״ Erde zu ihrem Firmament zu machen. So drängt der Zug des Gedichtes gleichsam nach der richtigen Lesung, und wie von selber stellt im Schlussversc das bekannte Bild für die Erde הדם sich ein. Jetzt wirft der Schein des hergestellten Schlusses: ותעשה מן ההדום רקיע sein Licht auf das Ganze zurück, in dem wir nunmehr Juda Halewi’s Gedanken, wie er ihn gehegt, hat, erfasst zu haben sicher sein können. Es ist das bei den Dichtern des Mittelalters so beliebte Bild des Psalmisten, der in der Erde den Schemel Gottes sicht Unter den mannigfachen Metaphern, in die bei den Piutdichtern die Erde gehüllt erscheint, s. Zunz Literaturgeschichte der synagogalcn Poesie p. 602, 731, ist die vom Schemel eine der gebräuchlichsten. Wenn die handgreiflich naheliegende Verbesserung gleichwohl übersehen wurde und das klare Wort הדם von den Abselireibern des Diwans sicher bereits in alter Zeit zu הדם verballhornt wurde, so tragt der Name Esther in diesem Epigramme und das vielfache