Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1896)
- Article
- Aus den talmudischen Randnoten des Herrn Rabbinatspräses S. L. Brill in Budapest
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 17 (sequence 2)
- Language
- German
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Blau, talmuilische Ranilnoten. 17 reichen Bibliothek, sondern auch gründlichster Kenner der״ selben. Seinen Wissensschatz, don er in einem arbeitsvollen, langen Leben gesammelt hat — er steht im 82. Lebensjahre — verwaltet er mit der Liberalität der alten Talraud-Gelehrten, denen die ״mündliche Lehre11 wirklich die mündliche war. Für die Geschichte der Juden Oesterreich-Ungarns im 19. Jahrhundert ist Eabbinatspräses Brill eine lebende Quelle, die nie versiegt. Man consultirt, ihn in diesen Fragen gleichsam wie ein Quellemverk. "Wenn er auch keine Schüler mehr um sich versammelt, wie in alter Zeit, als noch Professor Bacher und Professor Goldziher zu seinen Füssen sassen, fehlt es ihm dennoch nicht an dankbaren Zuhörern, die sich an seinen geist- und gemütiivollen Gesprächen ergötzen und auf seine wissenschaftlichen Bemerkungen freuen. Dem Druck hat jedoch Eabbinatspräses Brill aus seinen Forschungen Nichts übergeben. Er hatte die Güte, mich mit seinem Vertrauen auszuzeichnen und mir seine Notizen zum babylonischen Talmud zu übergeben. Diese Bemerkungen stammen vom Bande seines Talmud-Exemplars, wohin sie in mehr als einem halben Jahrhundert einzelweise verzeichnet und nachträglich gesammelt wurden. Dieser Ursprung der Bemerkungen hat auch ihre Form bestimmt: sie tragen das Gepräge der הגהות, welche wir aus unseren Talmudausgaben kennen, d, h. sie sind von gedrängter Kürze. In dieser Eigenschaft übertreffen sie den Talmud selbst, dieses Muster von Brachylogie, und werden nur nach eingehendem Studium verständlich. Sie sind eigentlich eher Merkzeichen für das Gedäehtniss als Bemerkungen. In Folge dieses Umstandes kann es leicht geschellen, dass beim Studium der richtige Sinn der gewissermassen symbolischen Schrift nicht ganz getroffen oder wenigstens ihm nicht die passendste Form gegeben wird. Jener Reiz, mit dem der Autor in seinen mündlichen Mitteilungen seine Wahrnehmungen vorzutragen vermag, geht auf alle Fälle zum Theil verloren. Dieses Gefühl hatte ich oft beim Studium dieser Notizen, welche sich auf den ganzen babylonischen Talmud erstrecken und die Zahl Tausend übersteigen, aus denen ich laut freundlicher Ermächtigung nach eigener Einsicht eine Auswahl treffe. Da die Fülle des Materials eine grosse Beschränkung forderte, habe ich alles rein Halachische, ferner die allermeisten Hinweisungen auf Parallelstellen und vieles andere ganz bei Seite gelassen. Zumeist veröffentliche ich solche Bemerkungen, welche sich auf Materien beziehen, Monatsschrift. 41. Jahrgang. 2