Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-10-01 · Heft 1 (Oktober 1895) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 1 (Oktober 1895)
Article
[Rezension]
Date
1895-10-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829682-2829684-2845161--26751-2845221
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

42 Besprechungen. die alten Urkunden aus dem Sprachschätze ihrer Zeit erkennen, die Bedeutungen der Worte aus ungeahnten Quellen verstehen lernen und nach Boeckh’s Sinne eine Philologie der hellenistischen Litteratur erstehen sehen, die uns erst völlig auffassen lehrt, was die Schriftsteller in dem Griechisch ihrer Zeit und Umgebung haben sagen wollen. In jenen neu erstehenden Denkmälern linden wir aber auch Zeugnisse für die griechische Bibel, die weit über unsere ältesten Hand- Schriften hinaufreichen, eine Beihe freier und wörtlicher Entlehnungen, heller oder undeutlicher Anklänge, die uns zum ersten Male von der Verbreitung der LXX im Volke, in den Kreisen der Ungelehrten aufschlussreiche Kunde bringen. Endlich erstehen hier die Beweise dafür, wie D. 54 treffend sagt, ,,welchen gewaltigen formalen Einfluss die griechische Bibel, namentlich das Gesangbuch der griechischen Bibel auf [die Schichten gehabt hat•, die ausserhalb des officielLen Schattens der Synagoge und Kirche lebten und sich deshalb der Geschichte gern entziehen“, Beweise zugleich dafür, ,,dass die ewigen Gedanken des alten Testaments selbst da ihre Keimkraft nicht ganz verloren haben, wo sie spät und abseits, scheinbar unter die Dornen gefallen waren.“ Auf Grund des hier zuerst im Ueberblick betrachteten neuen Materiales, besonders der sogenannten Zauherpapyri geht D. zunächst daran, für die Aussprache des Tetragram נם aton aus den griechischen Transscriptionen (p. 3—21) Anhaltspunkte zu gewinnen. Auch ein negatives Ergebniss, kritisch gesichert, ist in der Wissenschaft von Werth, und so werden wir D. auch dafür Dank wissen, dass er an der Ermittelung dieser Aussprache aus dem Wüste der Vocalreihen in der Zauber litteratur verzweifelt. Nur davon muss die jüdische Keligions- Philosophie Kenntniss nehmen, dass Juda HalewTs tiefer Gedanke von der Verweithung der Auslese aller Laute, der Seele der Sprache, der Vocalbuchstaben zur Bezeichnung des höchsten Gottesnamens (s. meine Geschichte der Attributenlehre S. 174) bereits seinen unbewussten Vor* ganger in jener Vocalbrandung der Papyri hat, die in den sieben Selbstlauten ae7!10ü<o und deren Verbindungen und. Eingliederungen der! höchsten Zauber erblicken. Eiir die talmudische Lexikographie ist der reich belegte Gebrauch von t«ßs für die Gleichung von b und w nutzbar. Nach vielen Bichtungen lehrreich ist die jedoch noch keineswegs als erschöpft anzusehende Behandlung der Bleitafel von Hadrumetum, die im Juni 1890 bei den französischen Ausgrabungen südöstlich von Karthago gefunden wurde (p. 23—54). Es ist kein Zweifel daran, dass dieser Dämonenzwang, den Domitiana, die Tochter der Candida, auf Urbanos, den Sohn der Urbana, ausüben will, jüdischen Ursprungs ist. Die Beschwöruug dieses Liebeszaubers geschieht beim Gott Abrahams, Isaks und Jakobs töv ׳ik-ov toö Aßoaav y.cd xöv louo xov xoö lav.oo, Jato Aü)[ff AßjatoD■ ■3’sov xoo lopa/ra. Aßpaav ist keineswegs auffällig. D. 36 meint zwar: ,,Ein Jude wird schwerlich so geschrieben haben.“ Allein aus ältester Zeit liegen die Beweise nasalirender Aussprache des מ ,ם vor. M«pocva׳ü־a מהרם אתה, die Umschrift Xaltov für שלום in den Katakomben (s. meine Bemerkung Gott. Gel. Anzeigen 1881, 973), Deissmann’s eigene Zeugnisse für Aßpaav belegen die Tsansscription des M- Lauts durch N sattsam. Eine Wendung wie opy/wu» gs ׳tö ocfiov ovojjlgc, 0 oh )Gpsxcu Z. 19 שאינו נקרא beweist allein den jüdischen Ursprung der Zauberformel (p. 41 ff.)1). Die sonderbare Bezeichnung Gottes in 1) Ein lehrreiches Zeugniss der Missverständnisse, die in den des hebräischen Textes unkundigen hellenistisch-jüdischen Volksschichten durch den griechischen Bibeltext sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.